Florida-Rundreise 2012/2013 = ein kleiner Rückblick

Nun fehlt nur noch ein kleines Stück, um den „Ring“ zu schließen, nämlich von Mount Dora nach Orlando zum Storage. Auf unserer Florida-Reise sind wir rund 2.400 km mit dem Wohnmobil gefahren und weitere 2.000 km mit dem PKW. Ich möchte die Worte unserer Freundin Gabi an dieser Stelle gerne wiederholen. Sie sagte vor unserer Abreise nach Florida zu uns:

Florida ist klasse!!!

Und wir sagen nun nach unserer Reise: Gabi, du hast vollkommen Recht gehabt!!!

Dabei haben wir ja nur den mittleren und unteren Teil von Florida gesehen. Und davon natürlich auch nicht alles, denn alles kann man gar nicht sehen. Dafür ist eine Reise von fast 3 Monaten einfach zu kurz. Der Norden Floridas, das gesamte „Panhandle“, fehlt uns ja noch. Dafür bleibt aber bestimmt Zeit beim nächsten Mal 🙂

Was ist anders in Florida? Ganz spontan fallen mir folgende Punkte ein, alle natürlich subjektiv:

– die Menschen sind anders. Sie sind offen, freundlich, hilfsbereit. Liegt es vielleicht am Wetter? Wir haben viele Gespräche geführt, dabei interessante Geschichten erfahren. Gesprochen wurde über alles. Auch Themen wie Beruf und Einkommen sind für Amerikaner/Kanadier kein Tabu. Wenn man davon erzählt, dass es in Deutschland 6 Wochen Urlaub im Jahr gibt, dann schauen sich unsere amerikanischen Gesprächspartner ungläubig an. Hier gibt es zwei Wochen. Und in den zwei Wochen hat man so viel am Haus oder sonst wie zu tun, dann man kaum Zeit hat, zu verreisen. Vielleicht mal drei Tage nach Las Vegas. Das war es dann. Viele haben uns angesprochen, da wir uns als Deutsche durch die Beschriftung am Wohnmobil bzw. durch kleine Deutschland-Aufkleber am PKW zu erkennen gegeben haben. Viele Amerikaner – es soll jeder 6. sein – hat deutschen Hintergrund. Der Opa oder die Oma, Vater oder Mutter, oder irgend jemand anderes aus der Familie stammen aus Deutschland, sagten sie uns. Oder gar noch weiter zurück. Man trifft ganz häufig auf deutsche Nachnamen. Der Name „Neumann“ ist nicht selten anzutreffen. Und dann haben uns viele angesprochen, die ihre Militärzeit in Deutschland verbracht haben. Heidelberg, Karlsruhe, Pirmasens, Frankfurt. Das sind nur einige Beispiele, wo Amerikaner ihren Dienst geleistet haben. Und ausnahmslos alle erinnerten sich gerne an Deutschland zurück.

– Florida ist aufgrund seines angenehmen subtropischen Klimas ein begehrter Altersruhesitz innerhalb der Vereinigten Staaten und Kanada. Genau wie die Vögel im Winter zieht es ältere Menschen in diesen südlichsten Staat auf dem Festland. Aber deshalb zu behaupten, Florida wäre ein „Rentner-Staat“ ist vollkommen falsch. Die Bevölkerungsstruktur ist sehr gemischt. Alte und junge Menschen leben hier. Auch ganz viele Deutsche kommen im Winterhalbjahr nach Florida. Wir wissen nicht, wie viele. Aber es sind bestimmt tausende, die die Vorzüge des Wetters im Winter erkannt haben. Florida ist für die Amerikaner und Kanadier das, was für die Europäer die Kanarischen Inseln sind.

– Trotz der vielen Menschen kann man sich auch zurück ziehen und z. B. die fast unberührte Natur genießen. Unvergessen wird uns unser Kanu-Ausflug auf dem „Silver River“ bleiben. Man kann Tiere in freier Natur beobachten, und nicht nur in einem „Käfig“. Delfine, Aliigatoren, Manatees, Bären. Alles Tiere, die wir nur aus dem Zoo oder TV kennen. Hier leben sie in freier Natur, nicht eingesperrt. Wir haben exotische Vögel gesehen, von deren Existenz wir vorher gar nichts wussten. Oder wir haben Leute beim Angeln beobachtet. Eine Art „Volkssport“ in Florida. Und dabei Fische gesehen, die tatsächlich sooooo groß waren. Nur eines haben wir nicht: die angebliche Schlangeninvasion konnten wir nicht feststellen. Erst letzte Woche gab es einen Filmbeitrag im ZDF zum Thema: Schlangenjagd in Florida nun offiziell freigegeben. Tatsächlich ist es so, dass darüber schon vor einem Jahr berichtet wurde. Wahrscheinlich musste man beim ZDF eine Lücke füllen. Tatsächlich haben wir eine einzige Schlange in freier Natur gesehen, und zwar auf dem Campground von Lazydays. Die war aber nur ca. 1 m lang und war sofort im Gebüsch verschwunden, als sie uns bemerkt hat.

– dann hat man das Gefühl, das es mehr Freiheit gibt oder die Menschen sich mehr Freiheiten herausnehmen. Es gibt selbstverständlich Gesetze und Regelungen. Wahrscheinlich aber erheblich weniger als in Deutschland. Zum Beispiel Motorradfahren ohne Helm: hier etwas ganz normales. Handy am Ohr während der Autofahrt? Na klar. Zur Zeit gibt es auf Plakaten und im Fernsehen große Informationskampagnen: Don´t Text and Drive. Es sind viele Unfälle passiert, weil die Fahrer während der Fahrt SMS schreiben oder sonst irgendwie „chatten“. Und Führerschein machen ist hier ganz einfach. Fahrschulen? TÜV? Gibt es alles nicht. Und man glaubt es kaum, es funktioniert trotzdem. Eine Kreuzung mit 4 Stopschildern? Fast überall. Wer zuerst kommt, darf zuerst fahren. Und auch das funktioniert. Diszipliniert. Zum Teil mit Handzeichen. KFZ-Kennzeichen (oder auch Nummern-Schilder genannt) gibt es in aller Regel nur hinten am Fahrzeug. Vorne hat kaum jemand ein Schild. Und wenn, dann ein Schild seiner Lieblings-Footballmannschaft.

– zu der „gefühlten“ Freiheit der Amerikaner gehört – leider – auch, dass sich jeder eine Waffe besorgen kann. Ganz legal. Steht ja in der Verfassung. Überraschend für mich war, wie viele Amerikaner, auch junge Amerikaner, in den „Gun Shops“ stehen und Waffen kaufen. Die brutale Tat im Dezember in der Sandy-Hook-Grundschule hat leider nicht dazu geführt, dass weniger Waffen verkauft werden. Im Gegenteil. Präsident Obama, der am heutigen Tag zum zweiten Mal als Präsident vereidigt wird, hat sich nun für ein Verbot von Schnellfeuerwaffen mit mehr als 10 Schuss Munition ausgesprochen. Das ist in meinen Augen ein Witz. Wie viel Unheil kann man mit Waffen anrichten, die bis zu 10 Schuss bevorraten. Oder mit Pistolen? Na ja, es ist vielleicht ein erster Schritt. Jedenfalls hat „Sandy-Hook“ eine breite Diskussion in den USA entfacht.

– und anders als in Deutschland ist das Brot 🙂 Aber damit haben wir ja auch in Spanien unsere Probleme. Oder sagen wir: ausserhalb von Deutschland, Österreich und der Schweiz. Für unseren Geschmack gibt es in keinem anderen Land so eine große Auswahl an gutem Brot. Überall gibt es nur das Weißbrot einfachster Art. Einfachstes Weizenbrot. Mal mit etwas Sesam bestreut, mal etwas dunkler, mal etwas heller. So wie Toastbrot. Wenn man es links und rechts in die Hand nimmt und zusammen klatscht, hat man noch eine Scheibe…Brot (nach unserer Vorstellung) ist das Einzigste, was wir wirklich vermissen…aber seit gestern haben wir ja einen echten „Deutschen Bäcker“ kennen gelernt!

– Fernsehen ist anders. Egal welcher Sender, alle zwei, spätestens drei Minuten erfolgt eine Werbeunterbrechung. Außer heute: es wird schon den ganzen Morgen über die Vereidigung von Präsident Obama berichtet. Und über alles drum herum. Der Hund des Präsidenten, die Kinder, das Weiße Haus, die Möbel, die Einrichtung. Und natürlich über Michelle. Sie hat seit zwei Tagen eine neue Frisur. Statt leicht gewellter Föhnfrisur trägt Michelle Obama jetzt einen fransigen Pony:

US-POLITICS-INAURATION-PREP-MICHELLE OBAMA

Es gibt bestimmt noch den einen oder anderen Punkt, der mir zu „was ist anders“ einfällt. Aber nun soll es genug sein. Unsere Abreise steht bevor. Morgen (Dienstag) haben wir noch einen Tag zum Faulenzen, am Mittwoch wird das Wohnmobil gereinigt, Koffer werden gepackt. Und dann am Donnerstag ist der Abflug um 20 Uhr ab Orlando. In Solingen liegt Schnee, wir werden uns auf kalte Temperaturen einstellen müssen.

Uschi und ich sind auf jeden Fall von Florida begeistert. Ebenso von unserem Wohnmobil, mit dem wir in fast drei Monaten nicht ein einziges Problem hatten. Und bisher haben wir das gute Gefühl, genau richtig für unsere Bedürfnisse gekauft zu haben.

Dies ist nun der vorläufig letzte Eintrag im Reisetagebuch.

Am 01. Mai 2013 geht es weiter. Dann planen wir, bis Ende August verschiedene Nordstaaten zu bereisen. Mal sehen, wie weit wir kommen….

Danke fürs Mitfahren auf unserer Tour… 🙂 und wer möchte, kann dann wieder – virtuell – mitfahren.

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Uschi

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