Koreshan State Historic Park

Die heutige „Strecke“ war in der Tat nicht ganz so weit, 26 km. Und zwar sind wir zum Koreshan Campground gefahren, weil wir dort auf dem Estero-River noch einmal paddeln wollen.

Nur das Wetter, das hat uns in den letzten drei Tagen verlassen: es ist überwiegend bewölkt, tagsüber um die 25 Grad, nachts 20 Grad, und in der vorletzten Nacht hat es geregnet: „wie aus Eimern“. Aber das war auch ein guter Test für das Wohnmobil, ob es dicht ist. Und es ist dicht 🙂

An dieser Stelle lebte die Koreshan Glaubensgemeinschaft nach ihrer Weltanschauung. Im Jahre 1894 wanderte der Arzt Cyrus Reed Teed mit rund 200 wohlhabenden Anhängern von New York nach Florida aus, um die Welt zu verbessern. Das gekaufte Land, eine sumpfige Wildnis im Südwesten Floridas, sollte eine Nachbildung vom Garten Eden sein, es sollte ein „Neu-Jerusalem“ werden. Die Vision war, dass 10 Millionen Bewohner dort einmal leben sollten.

Ganz so weit kam es nicht. In den Anfangsjahren wurde schöne Gärten, Wege und eine Infrastruktur angelegt. Alles war Gemeinschaftsbesitz und alles wurde selbst angepflanzt oder hergestellt. Einige Produkte, zum Beispiel Brot, wurde nach „draußen“ verkauft. Sport und Kultur wurde groß geschrieben. Es gab eigene Tennis- und  Baseballplätze. Ein eigenes Stromwerk versorgte alle mit Strom.

Die Kinder gingen zur eigenen Schule und übernahmen – je nach Alter – noch Aufgaben in der Bäckerei, Druckerei, im Gartenbau, im Sägewerk oder auf dem Postamt. Großer Wert legte man auch auf die musische Ausbildung. Männer und Frauen waren gleichberechtigt, was damals in den USA noch nicht überall üblich war. Männer und Frauen lebten aber getrennt, die Kinder wurde gemeinsam erzogen.

1908 starb Cyrus, der schon im Alter von 30 Jahren seinen Vornamen in Koresh (hebräisch = der Gesalbte) änderte und sich eigentlich für unsterblich hielt,  dann doch. Die Gemeinschaft zerfiel nach und nach und während der Weltwirtschaftskrise wurde ein Teil des Geländes verkauft. Zwei Weltkriege und die strenge Auslegung des Zölibats führten zu einer immer stärkeren Schrumpfung der Gemeinschaft.

1962 starb auch der letzte Koreshan-Anhänger. Zuvor hatte man aber bereits das gesamte Grundstück dem Staat Florida geschenkt.

Der Campground kostet pro Nacht 28,86 US$ = 22,20 EUR, incl. Strom, Wasser, Abwasser und Eintritt zum Historischen Dorf.

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Uschi

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