Lakewood Church/Houston

Mit unseren Stellplatznachbarn, Sally (aus Trinidad) und Steffen (aus Rostock), saßen wir gestern zusammen und sprachen zufällig darüber, dass sie sonntags einen Gottesdienst besuchen uns boten uns an, mitzufahren. Gesagt, getan…

Also fuhren wir heute zum „Früh-Gottesdienst“. Beginn war um 08:30 Uhr. Es gibt sonntags noch weitere „Services“, ebenso in der Woche. In englischer und in spanischer Sprache.

Kaum hatten wir das Parkhaus in Houston verlassen, kam schon ein Shuttlebus, der uns zur Kirche fuhr.

Als wir die Kirche betraten, kamen wir aus dem Staunen nicht heraus: es ist kein Kirchengebäude in unserem Sinne, kein gotischer Stil wie z. B. der Kölner Dom, keine bunte, bleiverglaste Kirchenfenster, sondern eine Riesenhalle, komplett mit Teppichboden ausgelegt, bequeme Polstersessel, vier Großleinwände, eine versenkbare Bühne u. v. m. Akustik und Beleuchtung waren perfekt.

Es gibt mehrere Kameraleute, die alles aufzeichnen, denn der Gottesdienst wird im Fernsehen übertragen. Eine Band spielte teils sentimentalen teils rockigen Sound, ein Chor sang dazu sowie einige Solosänger. Alles war fröhlich und bunt. Der Pfarrer Jeol Osteen und seine Frau wechselten sich in der Predigt ab, jeweils etwa 10 bis 15 Minuten.

Und die „Kirchgänger“, also die Besucher des Gottesdienstes? Bunt gemischtes Publikum. Damit meine ich die Hautfarbe, die Kleidung und das Alter. Besonders was das Alter betrifft, waren wir überrascht, denn es waren viele junge Menschen in der Kirche. Die Leute sind fröhlich, sie machen mit, sie singen mit, sie tanzen mit…

Die Kirche bietet Platz für 16.000 Besucher. Heute Morgen waren mehr als die Hälfte der Plätze belegt, geschätzt 9.000. Beim 2. „Service“, der um 11 Uhr beginnt, ist die Halle regelmäßig bis auf den letzten Platz belegt.

Erst später erfuhren wir, dass „Lakewood Church mit wöchentlich über 40.000 Gottesdienst-besuchern die größte lokale Kirche in den Vereinigten Staaten ist. Die Gemeinde setzt sich zu gleichen Teilen aus Weißen, Afro-Amerikanern und Lateinamerikanern zusammen.

Gründer der Kirche war John Osteen (1921–1999), ein ordinierter Pfarrer der Southern Baptist Convention, der sich 1958 von den Southern Baptists getrennt und der Pfingstbewegung zugewandt hatte. Die Kirche wurde 1959 in einem alten Futterspeicher am Rand von Houston gegründet. Von Anfang an war die Kirche offen für Leute von unterschiedlichster religiöser Herkunft, allen Rassen und jedem sozialen Hintergrund.

John Osteen schrieb etwa vierzig Bücher und gründete ein Fernsehprogramm, für das die Kirche jährlich rund 30 Millionen Dollar ausgibt.Die wöchentlichen Fernsehsendungen wurden schon zu Osteens Zeiten in über 100 Ländern ausgestrahlt und können heute in den Vereinigten Staaten von fast 200 Millionen Haushalten und in Europa über den God Channel empfangen werden.

Seit dem Tod von John Osteen wird die Kirche von seinem Sohn Joel Osteen geführt. Die älteren Kinder, Paul Osteen und Lisa Comes, sowie Dodie, die Witwe von John Osteen, gehören ebenfalls zu den Mitarbeitern der Kirche. Der verantwortliche Prediger für den lateinamerikanischen Gottesdienst, Marcos Witt, ist ein Gewinner des Latin Grammy.Unter der Leitung von Joel Osteen verfünffachte sich die Zahl der Gottesdienstbesucher innerhalb weniger Jahre.

2005 bezog Lakewood Church ein neues Gebäude, ein umgebautes Sportstadion mit 16.000 Plätzen, welches sie auf 30 Jahre von der Stadt Houston gemietet hat. Die Renovierung soll 95 Millionen Dollar gekostet haben.

Ist so eine Art Gottesdienst eine Show-Veranstaltung? Eindeutig ja! Show ist Unterhaltung. Die Gottesdienstbesucher werden dort auf fröhliche Art unterhalten und dabei an Gott herangeführt. Wer behauptet, dass Gottesdienste nur möglich und angemessen sind in:

  • ungeheizten Kirchen, die noch nicht einmal halb gefüllt sind
  • sich nur – wenn überhaupt – nur im Flüsterton unterhalten kann
  • auf harten Holzbänken sitzt

der sollte mal eine Kirche in den USA besuchen. Hier gibt es keine Kirchenaustritte, hier gibt es Zulauf.

Man fragt sich wirklich, warum in Deutschland die Gottesdienste nicht moderner, lockerer abgehalten werden. So könnte man auch viele junge Menschen ansprechen und die Kirchen füllen.

Man kennt hier keine Zwangsabgabe wie die Kirchensteuer in Deutschland. Hier geht der „Klingelbeutel“ rund, und wer geben möchte, der gibt. Und hier sieht man, wo das Geld bleibt… Es gibt nicht nur das Kirchengebäude und die Technik, sondern noch ganz viel „drum herum“: Bibliothek, Kindergarten, 24- Stunden-Seelsorge, Stammtische für Frauen und Männer, u.v. m.

 

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1 Antwort

  1. Ursula sagt:

    Oh wie schön, jetzt habt ihr wieder einen Teil des typischen ‚american way of life‘ live erlebt. Die Gemeinde ist ein ganz wichtiger Teil im sozialen Netzwerk. Allerdings gibt es von ‚Kirche‘ zu ‚Kirche‘ große Unterschiede. Nicht immer hat die Show diese Dimension, aber immer ist es eher eine fröhliche Angelegenheit und häufig auch ein big business – für den Prediger 😉
    In diesem Sinne – God bless you!

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