Lancaster – Amisch Country

Wir haben nun Washington verlassen und sind nochmals zu den „Blue Ridge Mountains“ gefahren, und von dort aus nach Lancaster im Staat Bundesstaat Pennsylvania. Lancaster ist so etwas wie das „Epi-Zentrum“ der Amischen.

Die Amischen sind eine täuferisch-protestantische Glaubensgemeinschaft. Sie haben ihre Wurzeln in der reformatorischen Täuferbewegung Mitteleuropas. Im Jahre 1693 spalteten sich die Amischen von der Gruppe der Mennoniten ab.

Amische führen ein stark im Agrarbereich verwurzeltes Leben und sind bekannt dafür, dass sie viele Seiten des technischen Fortschritts ablehnen und Neuerungen nur nach sorgfältiger Überlegung akzeptieren. Wie andere täuferische Kirchen praktizieren die Amischen ausschließlich die Bekenntnistaufe und lehnen entsprechend der Bergpredigt Gewalt und das Schwören von Eiden ab. Sie stammen überwiegend von Südwestdeutschen oder Deutschschweizern ab und sprechen untereinander meist Pennsylvaniadeutsch.

Die ersten amischen Zuwanderer kamen zwischen 1736 und 1770 und siedelten sich vor allem im Südosten Pennsylvanias im Lancaster County an. Diese erste Gruppe bestand aus mehreren hundert Amischen. Noch heute findet man in Lancaster County eine große Siedlungsdichte an Amischen, es leben dort heute ca. 25.000. Von diesem Landkreis aus begann die Besiedlung anderer Gebiete Amerikas.

Fährt man von Lancaster 4 bis 5 Meilen stadtauswärts, findet man rechts und links nur Farmerland. In den Dörfern „Bird in Hand“ und „Intercourse“ zum Beispiel haben die Amish-People gemerkt, dass man mit Touristen „eine gute Mark“ machen kann. Es werden Kutschfahrten angeboten, aber auch hausgemachtes Speiseeis, handgefertigte Souvenirs und viel Tinnef.

So auch im „Kitchen Kettle Village„, wo ein kleines Geschäfts-Dorf zusammen gestellt wurde. Hier werden die Leute mit Bussen hingebracht und es gibt Parkplätze für Wohnmobile.

Eigentlich ja nicht so meine Welt. Aber Uschi stöbert dort schon mal gerne rum. Zwei Läden haben unser gemeinsames Interesse geweckt:

1) Kitchen Kettle Foods bietet unzählige Sorten an von:

  • Marmeladen
  • Senf
  • Soßen
  • Salzas
  • Relish
  • Backwaren, wie Kuchen und Kekse

Alles selbst gemacht. Man konnte den Mitarbeitern zusehen, wie sie Marmelade kochen und verarbeiten, genauso wie sie Backwaren herstellen. Alles Handarbeit von den Mitarbeitern in ihrer einfachen „Amisch-Tracht“. Jedes Produkt konnte man – kostenlos – probieren. Danach brauchte man gar nicht mehr zum Mittagessen gehen 🙂 Echt lecker, echt gut…

2) im zweiten Laden werden Quilts gefertigt. Ein Quilt (englisch quilt „Steppdecke“, „steppen“) ist eine vielseitig verwendbare Zierdecke, die als Tagesdecke dienen kann, aber sich z. B. auch als Wandteppich eignet. Die Stoffstücke werden mit der Hand aufgenäht. Es gibt unzählig viele Muster. Eine Näherin braucht viele Wochen für die Fertigstellung. Entsprechend ist der Preis. Der lag in diesem Geschäft bei 1.300 US$ (1.000 EUR).

Aber es gibt sie (noch): die ursprünglichen Amische, die ohne Strom und größtenteils ohne moderne Technik leben. Auf der von uns besuchten Farm gab es Strom nur aus einem Generator für das Kühemelken. Im Stall standen ca. 40 Milchkühe. Gerade heute Morgen war ein Kalb zur Welt gekommen. Die Felder werden mit Mulis bestellt. Und es sind wahrlich keine kleinen Felder…

Und es gibt die Buggies, für 2 bis 6 Personen, mit einer Stärke von einem PS, die auf Haupt- und Nebenstraßen und auf den Feldern zu sehen sind.

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Und wo Amische wohnen, ist leicht auszumachen: überall dort, wo Wäsche auf der Leine hängt! Es sieht jedenfalls so aus, dass montags der Wäschetag ist 🙂

Typisch für diese Region sind die überdachten Holzbrücken, genannt Covered Bridges. Das sind Brücken mit einem Dach über der Fahrbahn, im engeren Sinne eine Fachwerkbrücke aus Holz, die mit Seitenwänden und einem Dach versehen ist, so dass das Tragwerk von der Witterung geschützt ist.

Zum Tagesabschluss haben wir die Brauerei Lancaster Brewing Company besucht. Hier kann man während des Essens und Trinkens zusehen, wie Bier gebraut wird. Es gibt viele unterschiedliche Biersorten direkt vom Faß. Auch Kölsch und Hefeweizen… Aber wir sind beim regionalen Bier geblieben. Wer unschlüssig ist, was er bestellen soll, der kann jede Sorte probieren. Kostenlos. Schade, wir waren mit dem Auto da…:-) Aber hier ist mein Tipp: Strawberry Wheats. Schmeckt hervorragend…

Übrigens: die Dame in der Kutsche, die hinter dem Fahrer sitzt, kommt aus Kanada. Sie ist mit ihren Eltern, die damals auf Arbeitssuche waren, vor ca. 50 Jahren von Schweinfurt/Deutschland nach Kanada ausgewandert.

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