Niagarafälle – Tag 1

Die Niagarafälle sind nicht besonders hoch. Es gibt höhere Wasserfälle auf der Welt. Aber wenn die Wassermassen sich wie flüssiges Glas in den Abgrund ergießen, wenn sie tosend ins Leere donnern, und wenn man sich in einem kleinen Boot der Nebelwand nähert, dann sind die Niagarafälle so was von beeindruckend, wie wir uns das vorher nicht vorgestellt haben. Ein echtes Naturschauspiel. Daran nehmen auch viele Zuschauer teil. Besucher aus aller Welt. Jung und alt. Was uns besonders erstaunt hat war die hohe Anzahl der indischen Gäste. Frauen in schönen, bunten Gewändern. Männer mit Turban. Und ganz viele Kinder…

Teilweise ist der Aufenthalt auf der Uferpromenade eine feuchte Angelegenheit, denn je nach Windrichtung befördert die Nebelwand mehr oder weniger fein zerstäubtes Wasser auf die Uferpromenade. Wer da zu nahe ran geht und nicht aufpasst, ist schnell klatsch-nass.

Der Ausblick von der kanadischen Seite auf das Panorama ist einfach unschlagbar. Die kanadischen Horseshoe-Falls sind breiter und vom Queen Victoria Park besonders gut zu sehen. Also haben wir uns am späten Nachmittag aufgemacht und sind zur Rainbow-Bridge gefahren. Auf amerikanischer Seite haben wir das Auto abgestellt und sind zu Fuß rüber. Das waren nur 2-3 Fußminuten. Über die Rainbow-Bridge zog sich eine lange Autoschlange auf die kanadische Seite. Der kanadische Grenzbeamte mit deutschen Vorfahren war sehr freundlich und fix. Zwei, drei Fragen,  Stempel in den Reisepass, fertig. Nun waren wir in Kanada.

Nach einem kurzen Regenschauer klarte der Himmel auf und zeigte sich in seinem schönsten Blau. Auf kanadischer Seite stehen einige Hochhäuser: Nobelhotels mit Casino-Betrieb. Aber auch Restaurants, Fast-Food-Ketten, Billigläden mit viel Kitsch. Aber das kann man alles ignorieren, wenn man sich herum dreht und das Wasser-Spektakel ansieht. Auf amerikanischer Seite – die Aussicht von dort auf die Wasserfälle ist nicht so überzeugend – wurde ein Aussichtsturm mit einer Glasplattform gebaut, damit man vom großen „Touristen-Kuchen“ noch ein kleines Stück abbekommt.

Wir haben einige Stunden ausgehalten und die Dämmerung abgewartet. Bei Dunkelheit werden die Wasserfälle von enorm-großen Scheinwerfern angestrahlt. Die Farben wechseln ab und schaffen nochmals eine besondere Atmosphäre.

Auf einer Schautafel wurde verdeutlicht, wie die Erosion in den letzten 350 Jahren die Felsformation verändert hat. Die Wassermassen sind so gewaltig, dass sie jede Minute 1 Million Badewannen füllen könnten. Jede Minute!

Der Weg zu Fuß zurück über die Rainbow-Bridge war auch kein Problem. Auf kanadischer Seite musste man 50 Cent beim Verlassen an der Schranke zahlen. Auf amerikanischer Seite erwartete uns die schon bekannte Einreiseprozedur, die aber diesmal extrem kurz ausfiel, da sich der Grenzbeamte scheinbar für seine Kollegen mehr interessierte, als für uns.

Von den Niagarafällen bis zu unserem Campground sind es nur ca. 5 Meilen, etwa 8 Kilometer. Wir sind auf der Insel Grand Island, die vom Niagara-River umschlossen wird. Der Niagara-River kommt vom Lake Erie und fließt dann später in den Lake Ontario. Bis zur Stadtmitte von Buffalo, die nächst-größeren Stadt, sind es ca. 8 Meilen. Buffalo hat über 600.000 Einwohner.

Der Campground liegt hinter dem Motel Cinderella, hat rund 25 Stellplätze, bietet Schatten und die komplette Versorgung, die man sich wünscht, wenn man mit dem Wohnmobil unterwegs ist. Wenn es auch kein WiFi – also W-Lan – gibt, sind die 30 US$ (etwa 22,20 EUR) ganz ok. Ruhig ist es auch. Der Eigentümer ist etwas muffig und nur wenig auskunftsfreudig. Es weiss nicht, wo der nächste  Wal-Mart ist, kennt die Anfangszeit der Parade nicht, die am 04. Juli (Independence Day) auf dieser Straße stattfindet, sondern will eigentlich eher in Ruhe gelassen werden, nach dem er den Mietpreis für die beiden Übernachtungen „nur in bar“ kassiert hat. Ist uns aber auch egal. Wir sind ja nicht seinetwegen hier…

Für die 225 km von den Finger-Lakes bis nach Grand Island haben wir etwas mehr als 2 Stunden gebraucht.

Die Landschaft hat sich verändert, kaum noch Berge, fast nur noch flache Ebene. Der Tag begann schon mit Sonnenschein, bis auf die oben erwähnte, kleine Regenepisode war es trocken, sonnig und warm, 28 Grad C.

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