Rastenbachklamm

Am Hang etwas tiefer steht auf einem natürlich geschützten, akazienbestandenen Hügel, dem St.-Peters-Bühel, die Ruine der Kirche St. Peter aus dem 6. Jahrhundert, ehemals erreichbar über eine mittelalterliche Steinbrücke. Der Sakralbau ist in einer Abschrift von 1191 des „Vigiliusbriefes“ im Pfarrarchiv von Kaltern erstmals erwähnt. Die Besiedelung des Hügels erfolgte, wie archäologische Funde nahe legen, bereits in der Bronzezeit. Die Außenmaße der Ruine betragen 17,24 m x 13,4 m. Die dreischiffige Basilika hatte eine gewölbte Apsis mit Rundbogen im Osten und einen Nebenraum im Nordosten. Eine nord-südlich ausgerichtete, 2,2 m lange und 0,7 m breite gemeißelte Vertiefung im Felsen, 2,8 m von der Südwand außerhalb der Ruine anzutreffen, dürfte eine hervorgehobene Bestattungsstelle gewesen sein; sie verfügt im Norden über eine erhöhte Kopflage. 1821 ist von ihr als „Vigiliusgrab“ die Rede. Der Legende nach soll es sich um die Schlafstätte des 400/405 verstorbenen hl. Vigilius gehandelt haben, eine andere Deutung sieht die Vertiefung als prähistorische Opferstätte und spätere christliche Taufstätte an.

Bis 1786 führten hierher noch Kreuzgänge aus Kaltern. Die Schließung der Kirche 1782 unter Kaiser Josef II. und das Abtragen des Daches samt Holzdecke führte zum Verfall. Vom reichen Freskenschmuck, so dem „Jüngsten Gericht“ von Meister Thomas Egnolt (15. Jahrhundert) aus Eppan-St. Pauls, hat sich nur noch ein Rest der Marmorierung im unteren Teil der Apsis erhalten; 1847 ist bei Staffler davon die Rede, dass man an den beiden Seiten der Langhausruine „die zwölf Apostel noch in lebendiger Farbenfrische mit Fleiß und großer Kunst gemalt“ sieht (zitiert nach Vescoli, S. 6). 1996 wurden archäologische Grabungen durchgeführt. Nach Errichtung einer Hängebrücke anstelle der mittelalterlichen Brücke und Sanierungsmaßnahmen an der Ruine erfolgte 2000 eine neue Weihe der Kirchenruine. Von ihr führt ein 1995 bis 2000 errichteter „Friedensweg“ mit sieben mit Kunstwerken versehenen Besinnungsstationen über das Biotop Rastenbachklamm hinab nach Kaltern zu St. Anton.

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