Saint Augustine

Gestern sind wir 153 km wieder weiter nördlich gefahren, und zwar nach Saint Augustine. Somit haben wir das nördlichste Ziel unserer Florida-Reise erreicht.

Wir stehen hier auf dem Campground: Stagecoach RV-Park, einem kleineren Campground mit rund 80 Stellplätzen. Es ist ein „Waldcamping“, viele Bäume = viel Schatten. Und Ruhe, denn der nächste Highway ist etwa 1 km entfernt. Alle Stellplätze „Full hook up“ und alle „pull thru“. Full hook up ist die Bezeichnung dafür, dass alle Versorgungseinheiten an jedem einzelnen Stellplatz anliegen, also Wasser, Abwasser, Strom (50 AMP), Internet und auch Kalbel-TV. Und unter „pull thru“ versteht man, dass man vorwärts auf seinen Stellplatz herein fährt und auch vorwärts heraus fährt. Man braucht also nicht rückwärts fahren, was die Sache vereinfacht. Der Platz hier kostet nach Abzug des Goodsam-Rabattes 42 US$ = 31,50 EUR.

Saint Augustine feiert in 2 Jahren, also 2015, sein 450-jähriges Bestehen. Damit ist Saint Augustine die älteste Stadt Amerikas. So jedenfalls wird behauptet. Manchmal liest man auch: Die älteste von Europäern gegründete Stadt. St. Augustine wurde von dem spanischen Admiral Pedro Menéndez de Avilés am 28. August 1565 gegründet.

Jedenfalls kann man zu Saint Augustine auch „Stadt“ sagen. Was wir bisher in Florida gesehen haben, ist – mit Ausnahme von Key West – keine Stadt in unserem europäischen Sinne. Damit meine ich ein Zusammenschluss von Gebäuden, Fabriken, Wohnhäusern, Geschäften, usw. usw. usw.

Das gibt es hier – zumindest in Florida – typischerweise eben nicht. Hier ist alles auseinander gezogen. Es gibt viele Wohnanlagen, auch „Gated Communities“ genannt, wo sich die Wohnhäuser in einem Park/Grünanlage mit kleinem See oder Teich befinden. Und am Eingangsbereich dieser Wohnanlagen ist ein verschlossenes Tor. Oder es gibt viele Ansiedlungen, wo die Leute in einer Art „Mobilheim“ leben.  Dort gibt es ebenfalls große Unterschiede: gepflegte Behausungen oder heruntergekommene… Oft gesehen haben wir auch Einfamilienhäuser auf Grundstücken von 6.000 oder 10.000 qm.

Fast alle Straßen sind im rechten Winkel – also schachbrettartig – angelegt. Man kommt aber gut zurecht, wenn man weiss, dass die Straßen mit einer geraden Bezeichnung, z. B. der Highway 4, von Ost nach West verläuft, und die Straßen mit ungerader Bezeichnung, z. B. die 75, von Nord nach Süd. Das hilft ungemein…

Die Einkaufszentren, Supermärkte, Tankstellen, Restaurants befinden sich meistens an Ausfallstraßen der Highways.

Aber so was schönes wie unser Lemgo gibt es in Florida nicht: in Lemgo gibt es einen Altstadtkern mit Stadthäusern, Kneipen, Restaurants, Geschäfte, drumherum aufgelockerte Bebauung, Einfamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser, Gewerbebetriebe, Bauernhöfe, Tankstellen, Krankenhaus, und was zu einer Stadt eben dazu gehört.

Und nun komme ich wieder zurück auf Saint Augustine. Vor rund 450 Jahren kam ein Spanier hier hin und gründete die Stadt. Noch heute ist der spanische Einfluss deutlich zu erkennen: fast alle Straßen haben spanische Bezeichnungen, wie Carmen, La Quinta, Valencia und viele mehr. Auch die Mehrzahl der Häuser wurden im spanischen Stil errichtet. Alles wirklich sehr nett und umgeben vom Wasser. Man sieht  die Boote im Hafen liegen, Brücken verbinden die einzelnen Inseln, auch Keys genannt. Auf jeden Fall ist Saint Augustine ein Besuch wert.

Dann waren wir zufällig in der ältesten evangelischen Kirche in Saint Augustine.  Die ist ca. 200 Jahre alt. Einige Fenster wurden in Deutschland hergestellt und 1903 eingebaut. Die Kirche ist im Laufe der Zeit vergrößert worden. Der ursprüngliche Teil existiert aber noch. Er besteht aus ein paar Bänken und einem kleinen Altar. Mehr brauchte man vor 200 Jahren nicht. Zu dieser Zeit hatte Saint Augustine gerade mal 300 Einwohner.

Und der freundliche Herr, der uns alles erklärt hat, war der Herr Neumann. Sein Urgroßvater ist vor rund 100 Jahren nach Florida ausgewandert.

Zum Schluss waren wir noch im – für die damalige Zeit – größten „Hallenbad“ Floridas. Es ist vor einiger Zeit schon zu einem Restaurant umgebaut worden, umgeben von drei oder vier kleineren Geschäften.

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