Sind die Amerikaner oberflächlich…???

Im Internet fand ich einen interessanten Kommentar zu Florida bzw. zu den Amerikanern im Allgemeinen, und zwar von Margot Schiller. Sie schreibt über die USA:

"Es ist ein Virus. Man kann sich damit anstecken. Vor meinem ersten Flug in die USA dachte ich, ich sei resistent. Absolut gefeit gegen diese Krankheit. Deshalb habe ich mich überhaupt nur darauf eingelassen. Auf ein einmaliges Erlebnis. Und dann nie wieder. So hatte ich es mir vorgenommen. Es ist ganz anders gekommen. Das Virus hat mich gepackt. Voll und ganz."

Und über die Amerikaner:

"...vielleicht haben Sie doch schon bemerkt, wie freundlich die Amerikaner zu Ihnen waren. Ihr von den Vereinigten Staaten nicht wirklich begeisterter Nachbar in Deutschland wird Ihnen erklärt haben, das sei eigentlich Oberflächlichkeit, nicht Herzlichkeit. Sicher hat er Recht. Werden Sie an der Supermarktkasse gefragt, wie es Ihnen geht, erwartet die lächelnde Dame keine Antwort wie: „Ich fühle mich heute gar nicht gut, der Regen drückt mir aufs Gemüt“. Zum einen gibt es nur in Seattle depressiv machenden Regen, zum anderen ist das eine Antwort, die für Ihren Psychiater bestimmt ist. Jedenfalls in den USA.

In Deutschland tauschen Sie diese deprimierende Neuigkeit mit jedem Vorbeigehenden aus und so ziehen Sie Sich genüsslich gegenseitig runter. Und dann nennen Sie es „Nicht oberflächlich sein“. Der Kassiererin hier antworten Sie schlicht und einfach „Good and you“? Und das bitte mit einem Lächeln im Gesicht. Üben Sie das ein paar Mal vor dem Spiegel in der Ferienwohnung. Wenn Sie das beherrschen, erweitern Sie diese Übung. Gehen Sie an völlig Fremden vorbei, zum Beispiel im Supermarkt oder Ihrer Ferienanlage, lächeln Sie ihn an und sagen Sie „How are you“. Sie werden ein „And you“ zurück bekommen. Außer es handelt sich bei dem angesprochenen Fremden um einen Deutschen, Schweizer oder Österreicher. Das Wichtigste, der Amerikaner wird Ihnen ein Lächeln zurück geben. Haben Sie diese Übung erfolgreich mindestens zehn Mal durchgeführt, werden Sie merken, es geht Ihnen besser. Der Rücken schmerzt nicht mehr so, die Beine sind nicht mehr so schwer. Statt gebeugt zu gehen, machen Sie sogar ein paar Hüpfer. Und Sie fangen an, immer öfter zu lächeln. Ihre Laune wird besser. Sie geben diese gute Laune weiter und bekommen sie zurück."

Soweit Margot Schiller. Eine junge Dame, die nach einem „Au-Pair-Jahr“ in den USA wieder nach Deutschland zurück gekommen ist, sagt:

Viele Deutsche sind der Ansicht (und verbreiten diese auch gern!), Amerikaner seien oberflächliche Leute und nicht an anderen Ländern interessiert, und ausserdem seien sie prüde und hätten eine Doppelmoral. Das sind riesengroße kulturelle Missverständnisse!

Oberflächlichkeit:

Deutsche sind ein sehr verschlossenes Völkchen, und es ist für sie absolut unüblich, mit Fremden locker ins Gespräch zu kommen. Für sie machen das nur Leute, die „Freundschaftsabsichten“ hegen. Nun trifft ein Deutscher einen Amerikaner. Der Amerikaner ist, wie er es gewohnt ist, sehr offen und freundlich, und spricht mit dem Deutschen wie es sonst nur Freunde tun. Davon ist der Deutsche erstmal ein wenig überrumpelt, da er es nicht gewohnt ist, mit Fremden so zu reden, denkt sich dann aber „wie schön, so schnell Freundschaft geschlossen zu haben“. Jedoch unterliegt er da einem Irrtum, denn für den Amerikaner ist es ganz normal, mit Fremden derartig offen zu sein, und für ihn war die Unterhaltung nichts weiter als ein nettes Erlebnis. Sieht man den Deutschen wieder, ist OK, wenn nicht, auch OK. Der Deutsche merkt mit der Zeit, dass sich besagter Amerikaner nicht weiter wie ein enger Freund verhält, versteht die Welt nicht mehr, und schon ist ein Vorurteil geboren: „Amerikaner sind aber oberflächlich!“Das ist das Missverständnis, denn nur weil man einmal ein nettes Gespräch mit einem Amerikaner hatte, heisst das noch lange nicht Freundschaft. Da muss man sich schon weiter bemühen, denn beim Amerikaner ist die „zweite Schale“ sehr viel schwieriger zu knacken als die erste.

Interesse am Ausland:

Für Deutsche ist es normal, recht gut über Geschehnisse in anderen Ländern Bescheid zu wissen, weil es sich bei Deutschland um ein kleines Ländchen handelt, das von dutzenden Nachbarn umgeben ist. Viele waren auch schon im Ausland, weil es ja nicht weit entfernt ist.
In den USA ist der Fall ganz anders. Ein riesengroßes Land, mit nur zwei Nachbarländern auf einem Kontinent. Die Amerikaner sind mit dieser Fläche schon mehr als gut beschäftigt, und deshalb drehen sich viele Nachrichtensendungen (nicht alle!) hauptsächlich um die USA selbst, weil es eben schon da sehr viel zu berichten gibt. Die Folge ist, dass die Amerikaner manchmal nicht sehr gut über andere Länder Bescheid wissen, und aus dieser kleinen Naivität schließen viele Deutsche Desinteresse über andere Länder. ABER: Wer sich einmal mit Amerikanern unterhalten hat, der wird wissen dass sie in der Regel viele Fragen über Deutschland und Europa haben. Meistens reagieren Deutsche auf die Art der Fragen mit Empörung, weil man „das über Deutschland ja wohl zu wissen hat“, aber das ist eben nicht so. Deutsche wissen zwar viel über ihre europäischen Nachbarn, und vielleicht auch über die USA, aber was ist mit Ländern wie Thailand oder Kuwait? Da wissen sie genauso wenig darüber wie Amerikaner über Deutschland! Und das begründet sich eben aus der Entfernung und dem „Alleinsein“ auf einem großen Kontinent.

Doppelmoral


Den Amerikanern wird immer nachgesagt sie seien prüde, weil in der Öffentlichkeit bestimmte Dinge verboten sind, wie z.B. Nacktheit. Dann wird behauptet, sie praktizierten Doppelmoral, weil sie dann privat doch wieder ganz anders als prüde seien. Aber das ist eine total falsche Betrachtungsweise.
Erstmal muss man sagen, was Doppelmoral eigentlich ist. Das ist uneinheitliches Verhalten bei ähnlichen oder gleichen Situationen. In Amerika ist vieles in der Öffentlichkeit verboten. Man darf nicht nackt sein, auch nicht am Strand, und auch Kinder möglichst nicht. Im frei empfangbaren Fernsehen darf es auch kaum Nacktheit geben und Schimpfwörter werden zensiert. Das heißt aber nicht dass die Amerikaner prüde sind, denn sie trennen nur ziemlich streng das Leben in der Öffentlichkeit und das Privatleben. Das ist alles. Denn privat sind Amerikaner nicht verklemmter oder prüder als jedes andere Volk auch – es soll halt nur in den eigenen 4 Wänden bleiben, und dagegen ist doch nichts einzuwenden..
Das ganze Geheimnis ist also nur eine strenge Separation von Öffentlichkeit und Privatleben.

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