Tombstone und Bisbee / Arizona

Heute hat unser Enkel Jonas Geburtstag, er wird ein Jahr „jung“, und wir konnten per Internet gratulieren.

Unsere Fahrt heute war nur 90 km weit. Wir sind zuerst westlich, dann südlich gefahren, nach Tombstone:

Hier ist scheinbar der richtige „Wilde Westen„.  Hier laufen noch echte Cowboys über die Straße, hier gibt es noch echte Schießereien, zum Glück mit Platzpatronen :-).

Und täglich werden die Schießereien von Schauspielern nachgestellt. Tombstone war um 1880 Schauplatz verschiedener berühmter Schießereien, unter anderem der Schießerei am O. K. Corral mit Wyatt Earp, seinen zwei Brüdern und Doc Holliday am 26. Oktober 1881. Die gab es tatsächlich und sind keine Erfindung der Filmindustrie.

Überhaupt war es um 1879 – 1882 sehr gefährlich, hier zu leben. Auf dem Friedhof Boot Hill finden sich die Gräber bekannter und unbekannterer Opfer jener Zeiten. Auf den Gräbern kann man die Namen der Toten lesen, und wie sie gestorben sind: erschossen, erhangen, von Indianern getötet, beim Kartenspielen getötet, Selbstmord, tod in der Mine gefunden, aufgehangen, tod nach Verwundung, und ganz makaber: irrtümlich aufgehangen… so was konnte damals schon vorkommen.

Gegründet wurde die Stadt am 5. März 1879 von dem Geologen Edward Lawrence Schieffelin, der hier im Februar 1878 eine reichhaltige Silberader entdeckte. Auch den Namen hat die Stadt von ihm erhalten, denn sein Freund und Scout Al Sieber sagte zu ihm, er würde dort nichts außer seinem eigenen Grabstein (engl. tombstone) finden. Die Stadt zählte in ihren Glanzzeiten 15.000 Einwohner. Heute sind es nur noch 1600 Menschen, die hauptsächlich vom Tourismus leben.

Der größte Rosenbusch der Welt, mit Eintrag im Guinessbuch der Rekorde, blüht zur Zeit in voller Pracht in Tombstone. Man kann auch die Druckerei besichtigen, die im Oktober 1881 die erste Ausgabe der Tageszeitung „The Tombstone Epitaph“ heraus gegeben hat. Dort erhält man eine Kopie der Erstausgabe.

Am Nachmittag haben wir die ca. 40 km entfernte Stadt Bisbee besucht. Bisbee wurde 1880 gegründet, nachdem dort reiche Kupfer-, Gold- und Silbervorkommen entdeckt wurden. Benannt wurde die Stadt zu Ehren des Richters DeWitt Bisbee. Wegen des Bergbaus in den Mule Mountains stieg die Bevölkerungszahl stark an. 1910 entwickelte sich Bisbee zum größten Stadtgebiet des Countys mit rund 25.000 Einwohnern. Zwischen 1910 und 2000 sank die Bevölkerung allerdings kontinuierlich auf rund 6.200 Einwohner, da aus den Minen nichts mehr heraus zu holen war. Während des fast ein Jahrhundert andauernden Bergbaus wurden in den verschiedenen Minen des Stadtgebietes insgesamt rund 4 Mio. Tonnen Kupfer, 4 Tonnen Silber und auch ein wenig Gold gefördert. Hinzu kamen noch Zink, Blei und Mangan.

1974 wurden die letzten noch offenen Bergwerke geschlossen. Seit ca. 40 Jahren hat sich die außergewöhnliche Architektur und Minen-Landschaft nicht verändert. Man sieht, wo damals ganze Berge durch den Tagebau stufenweise abgetragen wurden und riesige Löcher entstanden. Es gibt Pläne, diese Berglandschaften zu rekultivieren. Auf Schautafeln wird ein „vorher“ und „nachher“ gezeigt. Allerdings scheint es diese Pläne schon lange zu geben: die Bilder in den Schaukästen sind schon vergilbt… wir vermuten, dass das notwendige Geld fehlt.

Heute ist die ursprüngliche Stadt Bisbee als „Old Bisbee“ bekannt und ist die Heimat einer blühenden Kulturszene. Old Bisbee ist auch für seine Architektur bekannt einschließlich seiner Häuser im viktorianischen Stil. Es erinnert schon an Europäische Bauweise – viele Häuser sind aneinander und aus Ziegelsteinen gebaut. Die Altstadt läuft in ein hügeliges Gelände aus, das links und rechts mit schmucken Häusern bebaut ist.

Es gibt verschiedene kleine Haus-Brauereien, wo die Braukessel in der Gaststätte stehen. So zum Beispiel in der „Old Bisbee Brewing Company„, die hervorragende Biersorten herstellen. Das „Copper City Ale“ hat uns am besten geschmeckt, ein rötliches Bier, vergleichbar mit dem Duckstein aus Deutschland. Darüber hinaus werden noch andere Biersorten gebraut, die bestimmt nicht dem Deutschen Reinheitsgebot entsprechen, z. B. Pfirsich-Bier, oder einem „Stout“, tiefschwarz wie irisches Bier.. aber trotzdem lecker 🙂

Wir stehen für eine Nacht auf dem Stampede-Campground in Tombstone, ein CG der schon in die Jahre gekommen ist (30 US$ = 22 EUR). Der Eigentümer sammelt alten Schrott und lässt diesen rund um die Rezeption „stehen“. Hinter der Rezeption steht noch ein altes Feuerwehrauto. Und das „best Wi-Fi in town“ ist in Wahrheit eine lahme Schnecke… Der Vorteil ist die Lage: nur zwei Blocks weiter ist man direkt im Saloon von „Big Nose Kate´s“ und kann sein Auto stehen lassen.

 

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