Vom Winde verweht sind die Fackeln im Sturm…

…wurden hier teilweise gedreht. Die „Jüngeren“ unter uns erinnern sich zumindest noch, dass Mitte der 80er Jahre die 15 Folgen „Fackeln im Sturm“ zum sonntäglichen Plfichtprogramm gehörten. Orri Main, gespielt von Patrick Swayze, verzauberte die Frauenherzen im Sturm… Für Patrick Swayze war es der internationale Durchbruch seiner Filmkariere. Und die etwas Älteren können sich ganz bestimmt noch an „Vom Winde verweht“ erinnern. Der Film war damals ein Kassenschlager.

Die Boone Hall Plantation gilt allgemein als die schönste Plantage, die man in South Carolina vorfindet. Sie wurde 1681 gegründet und liegt sehr schön am Cooper River. Wenn man die ganze Pracht hier sieht, vergisst man leicht, welches Leid sich auf vielen solcher Plantagen während der Sklaverei abgespielt hat. Bereits im Jahre 1619 kamen die ersten Slaven von Westafrika. Man kann die Stallungen und die Sklavenhäuser besichtigen, sowie an einer Führung durch das Herrenhaus teilnehmen. Die über einen Kilometer lange Auffahrt der Plantage wird von uralten Eichen gesäumt, genau 93 Stück. Das Erdgeschoss des alten Herrenhauses ist für Führungen geöffnet. Herrlich hängt das Spanische Moos von den Eichen.

Boone Hall ist nach wie vor eine aktive Plantage. Allerdings werden seit dem beginnenden 20. Jahrhundert nicht mehr Baumwolle geerntet oder Ziegelsteine hergestellt, sondern Pecan-Nüsse geerntet. Es gab mehr als 15.000 Pekan-Bäume. Bemerkenswert sind die erhaltenen acht Unterkünfte der Sklaven. Früher gab es mal 27 davon. Die „Sklavenstraße“ besteht aus sauber restaurierten Ziegelbauten aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Hier wohnten die in der Sklavenhierarchie bessergestellten Handwerker und Hausangestellten, jeweils 16 in einem Haus Die Wohnungen der Feldarbeiter waren wesentlich bescheidener und weiter draußen.

1935 wurde an der Stelle, wo einst das einfache Originalhaus stand, eine Villa erbaut. Dabei fanden die alten Böden und Holzarbeiten Verwendung. Ebenso noch Reste aus dem Zieglsteinbestand. Nur das Untergeschoss ist für Führungen geöffnet. Die heutige Eigentümerin wohnt im Obergeschoß.

Von der Plantage aus sind wir zunächst noch einmal ins Zentrum von Charleston gefahren und konnten die Häuser, die man „Rainbow raw“ nennt, bewundern. Es sind historische Häuser mit schönen Gärten, die dahinter liegen. Wir hatten den Eindruck, dass heute die Innenstadt besonders gut besucht war. Das mag daran gelegen haben, dass zwei große Kreuzfahrtschiffe vor Anker lagen und das dieses Wochenende der „Memorial-Day“ vorgefeiert wird. Der Memorial Day ist ein USA-weiter Feiertag, der jedes Jahr am letzten Montag im Mai zu Ehren der im Krieg für das Vaterland Gefallenen begangen wird. Zum Feiern wird nun aber das ganze Wochenende genommen. Es gibt viele Musikveranstaltungen. Häuser werden mit Fahren oder anderen Symbolen geschmückt und die Supermärkte verkaufen fertige Kuchentorten „wie wareme Semmeln“… Außerdem hat gestern ein 10-tägiges Musik- und Theaterfestival begonnen.

Die „King Street“ – so etwas wie die Kö in Düsseldorf – ist die Hauptgeschäftsstraße von Charleston. Dort sahen wir auch das sehr schön erhaltene Cabriolet von 1960.

Zum Schluss sind wir dann nochmals nach Mount Pleasant gefahren, wo das Restaurant „Wreck of the Richard and Charlene“ liegt. Es soll das beste Restaurant für „Seafood“ in ganz South Carolina sein. Wir waren also gespannt…

Unser „TomTom-GPS“ führte uns zu einem Hafengebiet, wo viele Fischkutter liegen, die auf Garnelenfang gehen. Von einem Restaurant konnten wir zunächst nichts erkennen. Wir parkten unser Auto und fragten uns durch. Waren wir hier wirklich richtig??? Tatsächlich, wir hatten unser Auto schon – ganz unbewußt – auf dem Restaurant-Parkplatz geparkt. Der Restaurant-Ausgang liegt hinter hohen Sträuchern versteckt. Der Eingang liegt – ebenfalls kaum sichtbar und nur durch ein kleines Schild erkennbar – auf der Rückseite des Gebäudes, einer früheren Lagerhalle.

Die Inneneinrichtung des Restaurants war sehr „rustikal“, wobei „rustikal“ sehr gescheichelt ist: Zusammen getackerte Spanplatten an den Wänden, einfacher Betonfußboden, Plastikstühle und Tische, Pappteller. Es fehlte nur noch das Plastik-Geschirr. Aber das Besteck war tatsächlich aus Metall, wenn auch ganz einfaches. Um 17:30 Uhr öffnet das Lokal. Wir waren schon um 17 Uhr dort und konnten auf der Terrasse die ein- und ausfahrenden Boote sehen. Und die Pelikane, die wie im Tiefflug über uns flogen. Schon bald kamen nach uns die nächsten Gäste. Pünktlich wurden wir zu unserem Tisch geführt. Schon nach 15 Minuten war das Restaurant voll belegt. Und es kamen immer noch weitere Gäste…

Dann die Speisen. Die Speisekarte bot fast ausschließlich Fisch und Meeresfrüchte an. Keine Pommes, keine Kartoffeln. Garnelen, Jakobsmuscheln, Austern, verschiedene Fischsorten. Alles frisch, alles hervorragend zubereitet. Es gibt Reis und Salat. Was wir bisher noch nicht kannten, das waren in Salzwasser gekochte Erdnüsse. Alles top! Und vor allem: die beste Krabbensuppe, die wir jemals gegessen haben. Dazu werden Hushpuppies serviert. Hushpuppies sind eine typische Beilage der Südstaatenküche. Es handelt sich um frittierte kleine Bälle, die im Allgemeinen aus Maismehl, Eiern, Milch, Backpulver und Zwiebeln bestehen. Pommes oder Kartoffel sind hier nicht „in“. Und zum Nachtisch gibt es Dessert-Variationen. Aber besser als das: von hier kann man bei einem kühlen Bier den Sonnenuntergang genießen…


 

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.