50 Jahre sind es her….

Vor 50 Jahren habe  ich Rumänien besucht. Mit meinen Eltern und meinem Neffen (damals 5 Jahre). Es war unser letzter gemeinsamer Urlaub. Hinter dem PKW zogen wir einen Wohnwagen… Mein Vater wollte unbedingt zur Schwarzmeer-Küste… Auf dem Weg dorthin haben wir in Cluj Station gemacht, und es ist mir heute ein Rätsel, wie wir uns damals zurecht gefunden haben, ohne Smartphone, ohne Google-Maps oder einer anderer Navi-Software. Ich glaube wir hatten einen – so nannte man es damals: Straßenatlas 🙂

Wie auch immer: heute früh bin ich in Rumänien angekommen. Meinen Impfausweis wollte bisher niemand sehen: weder bei der Einreise in Österreich, noch in Ungarn noch in Rumänien.


Hinter der Grenze habe ich die Mautgebühren bezahlt, die sich für 30 Tage auf 9 EUR belaufen. Maut in Österreich und Ungarn: für 10 Tage je 9,50 EUR.

Eines kann ich schon vorab sagen: sowohl in Ungarn als auch heute hier in Rumanien kommt man mit Englisch hervorragend weiter…vermutlich wird das auf dem Dorf oder in der Kleinstadt anders sein.

Kurz hinter der Grenze kommt man zu der Stadt „Oradea“. Viele nutzen die Stadt nur zur Weiterfahrt ins Landesinnere, aber das ist viel zu schade. Denn die Grenzstadt mit 201.000 Einwohnern, jahrhundertelang hin und her gerissen zwischen ungarischem Königreich, Wiener Hof und osmanischen Begehrlichkeiten, zündet ein kleines Feuerwerk der Kunststile.

Falls man es eilig hat, sollte man wenigstens eine Runde auf der Piața Unirii (Einheitsplatz) drehen und einen Spaziergang durch die Fußgängerzone, die Strada Republicii, machen. Oder wie ich es genannt habe: Flaniermeile…

Der Einheitsplatz ist in den letzten Jahren sehr schön angelegt worden. Der weitläufige, verkehrsfreie Platz ist von einigen der schönsten Gebäude der Stadt umgeben: Palais Schwarzer Adler, Mondkirche, Rathaus. Nach gelungener Renovierung zeigt sich der einst wenig repräsentative Platz jetzt in neuem Glanz: Bänke, Brunnen, Beleuchtung, die nostalgische schmiede-eiserne Straßenbahnhaltestelle…

Ganz in der Nähe viele Parks und eine Festung. Ich habe gelesen, dass dort, wo vor einigen Jahren Unkraut, Straßenhunde und Tristesse zu finden waren, wartet seit 2016 eine schön restaurierte Festung mit fast 1000-jähriger Geschichte auf Besucher. Mit einer Schaubäckerei. Seit 1692 versorgte diese Bäckerei die Soldaten der Festung. Sie war sogar bis 1997, also gut 300 Jahre, in Betrieb. Heute sieht man in dem Raum noch die sieben Backöfen.

Auf dem Geländer der Festung findet an diesem Wochenende ein Fest statt, mit Food-Trucks und Live-Musik.

Unter anderem habe ich eine Synagoge besucht. Hier gibt es noch Synagogen, die nicht von der Polizei bewacht werden müssen, wie es in Deutschland der Fall ist. Zur Synagoge gehört ein Restaurant und ein Eis-Café. Schön gelegen, direkt am Ufer des Sebes Körös.

Die Ampeln in der Stadt haben keine Gelb-Phase. Sie springen direkt von rot auf grün oder umgekehrt. Und wann grün kommt, zeigt oft eine kleine Anzeige mit den verbleibenden Sekunden.

Bei dieser Gelegenheit: die Inzidenz in Rumänien beträgt aktuell 3. Zum Vergleich: Spanien 385, England 456, Deutschland 14:

Noch ein Wort zu Ungarn: entlang der Autobahn sieht man riesige Felder, die gefühlt Quadratkilometer groß sind. Jedenfalls erscheinen sie unendlich groß. Dort wird Mais angebaut. Aber noch mehr gibt es auf den Feldern Sonnenblumen. Ich vermute, alle Sonnenblumen, die es auf der Welt gibt, werden hier angebaut 🙂

Dann zum Straßenverkehr in Rumänien: ich bin heute ausschließlich auf Landstraßen gefahren. Es gibt Verkehrsregeln, zum Beispiel Überholverbot oder Geschwindigkeitsbegrenzungen. Aber niemand hält sich dran. In der Ortschaft darf man 50 km/h fahren, manchmal – insbesondere vor Fußgängerüberwegen – nur 30 km/h. Tatsächlich fährt jeder innerhalb der Ortschaft 70 bis 80 km/h. Der Volkssport der Rumänen ist nicht das Fußballspiel. Nein. Volkssport ist das Überholen von anderen Fahrzeugen. Egal ob in der Ortschaft oder ausserhalb: es wird überholt was das Zeug hält. Auf gerader Strecke oder in unübersichtlichen Kurven. Egal. Und daran sind nicht nur PKW beteiligt, auch LKW. Unser Freund W. aus dem Umland von München würde sich hier wohl fühlen. Er muss – dass kann gar nicht anders sein – er muss rumänische Vorfahren haben :-).

Am späten Nachmittag bin ich in Cluj angekommen. Auf Deutsch heißt die Stadt: Klausenburg. Auf der Fahrt hier hin bin ich schon mit dem Gebirge in Kontakt gekommen, wie man unten aus der Grafik entnehmen kann. Doch dazu im nächsten Bericht mehr…

 


Nun bin ich oberhalb der Stadt Cluj auf einem kleinen Campingplatz mit Warmwasser-Dusche, Toiletten, Frischwasser, Abwasser, Strom und beheiztem Pool. Und sehr schnelles Wlan. Die Benutzung der Waschmaschine ist kostenlos, wenn man sein Waschmittel mitbringt. Andernfalls kann man Waschmittel für einen geringen Betrag kaufen. Außerdem gibt es eine Bar, die von 8 bis 23 Uhr geöffnet ist…und pro Nacht kostet es 40 LEI = 8 EUR…. 🙂 Die Betreiber sind sehr freundlich und sprechen – wie oben erwähnt – sehr gut Englisch.

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