Apache Junction und Apache Trail / Arizona

Von Globe bis nach Apache Junction sind es nur 92 km:

Doch bevor die Fahrt losging, waren wir im Apache Gold Casino. Nicht zum spielen, sondern zum frühstücken… Das Casino liegt im Apache Country (ein County ist vergleichbar in Deutschland mit einem Landkreis). Hier leben noch über 200.000 Indianer, und zwar Navajo Apachen.

In den USA werden fast alle Casinos ausserhalb Las Vegas und Reno von Indianern verwaltet. Ich habe einmal gelesen, dass es ein Zugeständnis der US-Regierung an die Indianer war, Casinos zu betreiben. Viele Indianer sind ja bekanntlich durch Europäer vertrieben und ausgerottet worden, als diese Amerika besiedelten. Die Indianerstämme zogen sich in die ihnen zugewiesenen Reservate zurück, jedoch ohne dort eine wirtschaftliche Lebensgrundlage zu haben. Um die Situation zu verbessern, wurden Casino-Lizenzen vergeben.

Und wie wir hier im Apache Gold Casino sehen konnten, waren fast alle Besucher des Casinos Indianer. Statt dass man den „Weissen“ das Geld aus der Tasche zieht, werden hier die eigenen Landsleute geplündert…

Durch ein gutes und preiswertes Frühstück gestärkt, konnten wir unsere Fahrt fort setzen. Es ist eine landschaftlich sehr schöne Strecke, wenn man einmal die hinter der Stadt Globe befindlichen Bergwerke, wo Kupfer und Gold noch heute abgebaut werden, hinter sich gelassen hat. Der Abbau findet sowohl im Tagebau als unter Tage statt.

Weil sich hier der Highway 60 und der Apache Trail kreuzen, wurde die Stadt Apache Junction genannt. Die Großstadt Phoenix liegt 50 Kilometer westlich. 

Kennzeichnend für diesen sehr jungen Ort ist auch seine saisonale „Atmung“: je nach Jahreszeit schwankt die Einwohnerzahl beträchtlich. Im Winterhalbjahr fallen zu Tausenden die schnee- und frostflüchtigen Rentner mit ihren Mobilheimen und Wohnwagen aus den „kalten“ Staaten im Norden ein, um dann im für sie zu heißen Sommer wieder zurückzufahren. Für diese jährlich sich wiederholende Völkerwanderung wurden in Apache Junction riesige Dauerstellplätze bzw. Campgrounds angeboten. Die Rentnergruppen sind ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor für diese Gegend… Mit anderen Worten: man rechnet mit uns 🙂 

Wir sind auf dem Campground „Carefree Manor„, der alles bietet, also Wasser, Strom, Abwasser, W-Lan, Pool und Whirlpool. Er kostet pro Nacht keine 20 US$, wenn man die Passport-America-Karte hat. Er liegt sehr ruhig. Kein Zug und kein Highway stört hier.

Nur wenige Meilen entfernt befinden sich die Superstition Mountains. Es ist ein Gebirgszug mit Bergen von ca. 1.000 – 1.200 m Höhe.

Auf dem Weg zum Apache Trail haben wir zunächst die alte Goldgräberstadt Goldfield Ghost Town besucht:

banner

wo zur Freude der Touristen am Wochenende „Gunfights“, also Schießereien vor dem Saloon veranstaltet werden. Im Saloon gibt es Live-Musik und man sieht noch echte Cowboys, die ihre (scharfen) Waffen offen tragen, was in Arizona erlaubt ist.

Zuvor haben wir einen Rundgang durch das Superstition Mountain Museum gemacht:

smm

Ehrenamtliche Helfer setzen sich dafür ein, dass die Traditionen, Gerätschaften und Gegebenheiten aus der Zeit um 1860 – 1900 auch unseren Nachfahren erhalten bleiben. So kann man z. B. noch eine Mühle besichtigen, wo damals das Gestein zermahlen wurde, um an das Gold heran zu kommen. Oder man sieht, wie Cowboys und Goldgräber gewohnt und gelebt haben. Auch ein Zahnarztbesuch wird nachgestellt. So wie es auf dem Foto aussieht, war das kein schönes Vergnügen 🙂

Ein kleine Modell-Eisenbahn, zur Zeit noch auf ca. 30 qm fahrend, soll in diesem Jahr erheblich vergrößert werden und dann über eine Fläche von rd. 400 qm verfügen. Das Museum verlangt keinen Eintritt.

Zum Schluß dieses schönen Tages machten wir noch eine Wanderung im Last Dutchman State Park mit herrlicher Aussicht auf die Superstition Mountains…

Über den Apache Trail – auch unter der Straßenbezeichnung US 88 bekannt – fuhr früher eine Postkutsche, heute sind wir dort gefahren. Die ersten Meilen sind asphaltiert, und zwar bis kurz nach dem Ort Tortilla Flat, danach führt der Weg über eine Sandstaße bis nach Roosevelt. Man hat teilweise den Eindruck, dass man über ein Waschbrett fährt. Aber mit 15-20 km/h kommt man gut vorwärts und kann die Landschaft genießen. Mit größeren Fahrzeugen – also über 8 Meter – würde ich hier nicht fahren. Der Trail schlängelt sich steil durch 40 Meilen (rund 64 km) von robusten Bergen, vorbei an tiefen Stauseen wie Canyon Lake und Apache Lake. Es gibt steile Klippen und nur wenige Leitplanken. Der Weg erfordert äußerste Vorsicht beim Fahren.

In Tortilla Flat gibt es den Superstition Saloon, der im Inneren mit Geldnoten, in der Regel mit 1-Dollar-Scheinen, zugepflastert ist. Die „Spender“ haben auf den Geldscheinen ihren Namen hinterlassen und dann fest getackert. Es gibt in diesem großen Saloon keinen freien Millimeter ohne Geldschein.

Leider geben unsere Fotos das nicht wieder, wie wir es heute erlebt haben: eine faszinierende Berglandschaft, mit großen Canyons, die zum Teil hunderte Meter tief waren.

Print Friendly, PDF & Email

2 Kommentare

  1. Kleine Korrektur: 😎

    Country (mit „r“) = Land
    County (ohne „r“) = Landkreis

    Howdy
    Olaf

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site is protected by reCAPTCHA and the Google Privacy Policy and Terms of Service apply.