Brasov – Kronstadt

Brasov ist das geistig-kulturellen Zentrum der Siebenbürger Sachsen, hier ist das deutsche Erbe noch lebendig. Obwohl heute nur noch rund 1200 Deutsche im Kreis Brașov leben, sind viele Schilder zweisprachig, und manche Rumänen sprechen Deutsch, weil sie am alt-ehrwürdigen „Johannes Honterus“ Gymnasium die Schulbank drück(t)en.

Aus Kronstadt stammen auch einige Rumänen, die man in Deutschland ganz gut kennt: Peter Maffay z. B. oder das Erfolgsduo aus Boris Beckers Glanzzeiten, Schnauzbartträger Ion Țiriac und Trainer Günther Bosch.

Viele Sehenswürdigkeiten findet man rund um den Rathausplatz (Piața Sfatului). Der große Platz hat die Form eines Dreiecks.  Das „Alte Rathaus“ ist über 500 Jahre alt und hat einen 60 m hohen Turm

An diesem Platz beginnt eine große Fußgängerzone, wo sich Laden an Laden, Café an Café und Restaurant an Restaurant reiht. Es gibt noch kleine Seitenstraßen, besser gesagt Seitengassen, mit ähnlichem Bild. Zusammen macht es eine Strecke von über 2 Kilometer aus. Und auch hier flanieren ganz viele Menschen. Es ist voll. Ich habe den Eindruck, dass sich nicht allzu viele ausländische Urlauber unter die Einheimischen mischen. Busse kommen und bringen Tagestouristen, die nur die große Schwarze Kirche – das Wahrzeichen der Stadt Brasov – sehen und in der Fußgängerzone spazieren wollen.

Auch ich habe die evangelische Kirche besucht, die u. a. bekannt ist für die kostbare Sammlung orientalischer Teppiche. Wie ich gelesen habe, die zweitgrößte in Europa nach dem Topkapi-Museum in Istanbul.

Interessant fand ich folgenden Hinweis in der Kirche zu der Bestuhlung:

Das zentrale Element des Gottesdienstes ist die Predigt. Um dem Pfarrer auch bei längeren Predigten folgen zu können, nahmen die Gläubigen auf dem Fußboden Platz. Bald nach der Reform begannen die Kirchen Bänke und Bestuhlungen aufzubauen, um es den Kirchenbesuchern gemütlicher zu machen 🙂

Brasov ist eine große Stadt mit über 250.000 Einwohner. Um den Altstadtkern entstand während der Ceaușescu-Zeit ein Gürtel aus Industriegebieten und Wohnblocks, in den letzten 30 Jahren sind noch riesige Autohäuser und Supermärkte hinzugekommen. Ich war ganz erstaunt zu sehen, dass es Straßen mit 4 oder 5 Fahrspuren gibt. In eine Richtung!

Im letzten Herbst hat man ein neues Shopping-Zenter eröffnet, das „Afi-Brasov“ mit 45.000 qm Fläche, fast 200 verschiedene Läden. In dem Turm hat sich die Firma Siemens eingemietet.

Bei der Gelegenheit: ganz viele deutsche Firmen sind in Brasov und auch sonst in Rumänien vertreten: wie schon erwähnt Siemens, die Firma Schaeffler (Automobilzulieferer) mit 4.000 Mitarbeiter, Bosch, Conti und auch Daimler-Benz, um nur einige zu nennen.

Hier auf dem kleinen Stellplatz fühle ich mich sehr wohl und werde noch ein paar Tage hier bleiben und kann die Gegend mit dem Rad erkunden. Darüber hinaus macht es im Moment keinen großen Sinn, weiter nach Griechenland zu fahren, da dort zur Zeit Temperaturen von weit über 40 Grad herrschen und es in einigen Regionen Waldbrände gibt. Laut deutscher Wetterprognose soll er ab heute in Griechenland abkühlen und auch die Brände soll unter Kontrolle sein. 

Ein weiterer Punkt spricht für das Hierbleiben: Die Mutter vom Eigentümer hat mir schon den 2. Tag hintereinander eine Plastiktüte an den Zaun gehangen. Inhalt: Bohnensuppe, Zuccini-Auflauf, Apfelkuchen, Obst und Gemüse. Alles selbst gemacht, alles aus eigenem Garten. Einen Stellplatz mit „Halbpension“ hatte ich noch nie. Vermutlich glaubt die liebenswerte Dame, dass ich als allein Reisender verhungere…. 🙂 

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2 Kommentare

  1. Danke… ja, man könnte auch zusätzlich das Donau-Delts ins Auge fassen… das wäre meine Überlegung für 2022…

  2. Ein schöner Reisebericht. Ich habe Kronstadt damals im Winter erlebt. Im Sommer ist es sicher noch einladender.
    Wir überlegen auch, im nächsten Sommer mal Siebenbürgen abzuklappern.

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