Carpinis – Brasov

Das Dorf Carpinis ist etwa 12 km von Brasov entfernt. Rund 400 Einwohner gehören dazu. Das besondere: die Einwohner des Dorfes und der näheren Umgebung nennen das Dorf „Little America“. Warum?

Das Dorf wird mittig durch eine Landstraße geteilt und die Häuser liegen nicht direkt an der Straße, sondern rechts und links von der Straße etwa 50 bis 100 m entfernt. Untypisch für Rumänien aber typisch für Amerika, so sind hier die Bewohner der Ansicht. Deshalb „Little America“ 🙂

Die Straße, die durch das Dorf führt, ist asphaltiert. Der Bodenbelag der Wege, die zu den Häusern gehen, sind alle unbefestigt, also eine Mischung aus Geröll und Splitt. Zu einigen Häusern führt noch nicht einmal ein unbefestigter Weg, sondern dort fährt man über eine Wiese, die bis an die Grundstücksgrenze geht.

Mit dem Rad braucht man eine halbe Stunde bis zum Zentrum von Brasov.

 

Auf dem Weg dorthin kam ich durch den Ort Sacele, rund 31.000 Einwohner. Ich sah, dass einige Bewohner in eine Kirche gingen und neugierig wie ich bin, habe ich das Gotteshaus auch betreten.

Ich hörte einen Singsang, der aus Lautsprechern kam. Das ist die Form des Gebetes.  Der Gebrauch von Instrumenten ist in griechisch-orthodoxen Kirchen nicht gestattet. Es gibt also keine Orgeln.

Direkt rechts hinter dem Eingang befand sich ein kleiner Verkaufs-Kiosk. In der Fensterauslage sieht man viele Bücher, die zum Verkauf stehen. Die Besucher betreten die Kirche und gehen zuerst zum Kiosk und kaufen eine oder mehrere Kerzen. Gegenüber, also links hinter dem Eingang, standen zwei Tische, auf denen einige Besucher Brot, Kuchen, Weintrauben, Bananen, Kekse sowie Fanta-Limonade und Wein hinstellten. Ein paar Schritte weiter hängen an den Säulen Bilder (Ikonen) von der Gottesmutter und Christus. Fast alle stellen sich vor den Bildern, bekreuzigen sich und küssen das Bild. Hygienische Bedenken scheint hier niemand zu haben. 

Etwa 50 Gläubige befanden sich in der Kirche, geschätzt 90% meist ältere Frauen. Aber auch junge Frauen mit ihren kleinen Kindern waren zu sehen. Die Kinder saßen auf dem Boden und spielten mit dem Ball oder malten mit Buntstiften auf Papierblätter.

Der Innenraum einer typischen ostorthodoxen Kirche. Von links sieht man: a) die Heilige Stufe (Heiligtum oder Bema), b) Templon, c) Haupttempelsaal (Kirchenschiff), d) Narthex oder Brunnen (Narthex) und e) Veranda oder Hof (Veranda). Details von innen: 1. Heiliger Tisch, 2. Vorbereitungstisch oder die Nische der Heiligen Absicht (Proskomidi), 3. Kelch, 4. Heilige Scheibe und Sternchen, 5. Flügel (Exiptera), 6. Litaneikreuz, 7 Kerzenhalter, 8. Artoforio (Tabernakel), 9. Evangelium, 10. Weihrauchbrenner, 11. Tore (Diakontüren, d. h. die beiden Seitentüren der Ikonostase), 12. Das schöne Tor, 13. Handbücher, 14. Psalmen, 15. Bischofssitz, 16. Stasis und Sitzreihen (Stacidia), 17. Der Eingang von den Pronaos zur Haupthalle, 18. Ikonostase und 19. Der Haupteingang

Der Altar befindet sich hinter einer „Wand“, oben auf dem Bild die Nummer 11, dort sah ich auch hin und wieder den Priester. Die Kerzen werden angezündet und auf Kerzenständer gestellt. Irgendwann wurden die Fenster in dieser „Wand“ geschlossen und von innen ein Vorhang vorgezogen. Der Singsang ging immer weiter und die Besucher bekreuzigten sich fast ständig. Manchmal knieten zu Boden oder bückten sich und führten ihre Hände bis an die Fußspitze.

Einige Besucher betraten die Kirche, bekreuzigten sich, zündeten eine Kerze an und waren nach einer Minute wieder draußen.

Ich war ungefähr 30 Minuten dort und bin dann gegangen, da ich den Eindruck hatte, die Messe dauert noch eine ganze Zeit an. Außerdem passierte immer der gleiche Ablauf (bekreuzigen, bücken und hinknien) und verstanden habe ich nichts.

Interessant war es aber auf jeden Fall für mich, mal den Unterschied zu einer katholischen Messe zu sehen.

 

 

 

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