Dracula lebt…

Es ist paradox: Sobald man Zuhause von Rumänien spricht, fällt mit ziemlicher Sicherheit das Stichwort „Dracula“. In Rumänien selbst dagegen kommt man weitgehend ohne Blutsauger-Klimbim aus. Der Tourismus zehrt nur an wenigen Orten vom Mythos des Untoten: vor allem auf Schloss Bran, das mit „Dracula“ in Wirklichkeit so ziemlich gar nichts zu tun hat, und im angeblichen „Dracula-Geburtshaus“ in Schäßburg, in dem ein „Dracula-Restaurant“ eingerichtet ist. Die reale Vorlage für Bram Stokers Roman, die historische Figur des Fürsten Vlad III. Țepeș, hält man in Rumänien dagegen sehr in Ehren – allerdings als harten, aber gerechten Fürsten und nicht als übergeschnappten Blutsauger.

Genau gegenüber dem Venezianischen Haus (nachfolgendes Foto)

steht das sog. Dracula-Haus (siehe Foto unten). Viele Touristen lassen hier die Kameras klicken. Schließlich steht auf dem Schild an der Fassade: „Hier wurde 1431 Vlad Țepeș geboren.“

Die Geschichtschreibung ist weniger eindeutig: 1431-1435 (oder 1436) wohnte der walachische Fürst Vlad II. Dracul in Schäßburg im Exil, so viel steht fest. Und da der Sohn des Fürsten, Vlad III. Țepeș („der Pfähler“), in dieser Zeit zur Welt kam, gilt Schäßburg als sein Geburtsort. Ob Vlad senior und junior allerdings in diesem Haus lebten, ist unklar. Die Vermutung lag lediglich nahe, denn immerhin ist es eines der ältesten Häuser der Burg.

Das Gruseligste an diesem Haus ist das Dracula-Restaurant, das zwar schön eingerichtet ist, aber Touristen – so habe ich gelesen – mit sehr mittelmäßigen Menüs abspeist. Der Höhepunkt des Dracula-Kitschs, der sich in Rumänien ja sonst sehr in Grenzen hält, wird in einem zum Restaurant gehörenden Raum zelebriert: Gegen 5 Lei (1 EUR) Eintritt kann man das Zimmer betreten, „in dem Dracula geboren wurde“. Ein abgedunkelter Raum, in rotes Schummerlicht getaucht, erwartet den Besucher, mit Skelett und Sarg.

Heute Morgen, sah ich, wie vermutlich das Blut, das Dracula abgesaugt hat, abgeholt wurde, weil der Tank drohte, überzulaufen:

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