El Hierro Tag 3 – Rundreise

Zunächst ein Nachtrag: der „Höhlen-Guide“ Jörg hat mir die Bilder von der gestrigen Tour geschickt, die ich in den Beitrag von gestern eingefügt habe. 

Den heutigen Tag habe ich für eine Rundfahrt genutzt. Gegen 08:30 Uhr war ich am Strand von Tacorón, wobei Strand nicht der richtige Ausdruck ist. Badestelle wäre besser. Um diese Uhrzeit war nur ein kleines Wohnmobil vor Ort, weit ab der Zivilisation. Und dann noch dieser Zeitgenosse, der wahrscheinlich schon einige Tage hier Urlaub gemacht hat. Und nach ein paar Tagen in dieser öden Gegend sieht man ganz bestimmt so aus:

  

Von Tacorón zurück bis El Pinar, dann immer westlich auf der Landstraße HI-400. Diese Landstraße sieht auf dem Routenplaner so aus, als würde sie fast ständig geradeaus führen. Tatsächlich ist es eine sehr kurvenreiche Strecke. Die Straße ist sehr eng. Zum Glück ist mir die ganze Zeit niemand entgegen gekommen. Und dann ist die Straße extrem gefährlich. Ständig geht es rechts oder links der Straße steil bergab. Wirklich: ganz eng, extrem steil, und das auf etwa 1.100 Höhenmeter. Fast 20 km lang…   Dafür entschädigt die Aussicht, die traumhaft ist:

Am Informations-Zentrum „El Julan“ sah ich diesen Hund:

 

Es ist der „Lobo Herreño“, der Wolf von El Hierro. Es ist ein Hund wahrscheinlich seinen Ursprung auf dieser Insel hat und den Schäfern ein treuer und folgsamer Partner war. Heute wird er als Begleithund eingesetzt. Er ist auf El Hierro überall bekannt, obwohl es nicht mehr sehr viele gibt. Sogar in El Pinar hat man eine Fassade mit einem Lobo bemalt:

Am Ende der Landstraße, nun die HI 500, ging es nicht weniger gefährlich und nicht weniger spektakulär nördlich bis zum Strand „Pozo de Salud“. 

Nun ging es wieder ostwärts, immer mehr oder wenige direkt am Meer entlang. Ganz erstaunt war ich, dass hier Ananas angebaut wird, und zwar im großen Stil

Gerade das Golfotal – so nennt man die Gegend hier – mit seinem warmen subtropischen Klima, eignet sich hervorragend zum Anbau von Südfrüchten. Erst in den 1960er Jahren wurde der mit Lavabrocken übersäte Kessel urbar gemacht. Große Mengen „Mutterboden“ aus der Hochebene wurde aufgefüllt, um Bananen und Ananas anpflanzen zu können.

Zwischen den Ananas-Plantagen entdeckt ich die Bodega von Uwe Urbach, der 1995 den Betrieb übernommen und auf ökologischem Anbau umgestellt hat. Bis heute ist es die einzige ökologische “Bodega” auf “El Hierro” die selbst produziert und abfüllt:

Von dort ging es weiter nach Frontera. Frontera ist mit den Vororten Tigaday mittlerweile von der Einwohnerzahl größer als die Inselhauptstadt Valverde. Sehr schön ist die kleine Kirche „Candelaria“. 

Ein weiteres Highlight erwartete mich dann in „La Peña“. Dort besuchte ich den Mirador de la Peña. 

Der Mirador de la Peña findet sich im nordwestlichen Teil El Hierros in der Nähe von Guarazoca. Der Aussichtspunkt wurde komplett von dem Künstler und Architekten César Manrique (1920-1992) aus Lanzarote gestaltet. Zwischen terrassenförmig angelegten Gärten liegt das gleichnamige Restaurant.

Hier konnte ich nicht auf eine Quesadilla verzichten, eine süße Köstlichkeit und ein traditionelles Gebäck der Insel. Ich habe aber die Kalorien freie Ausführung bestellt 🙂

 

Das perfekt in die Umgebung eingebettete Gebäude aus rötlichem Lavagestein wurde 1989 eröffnet. Das Aussichtsrestaurant wurde mittlerweile von der Kanarischen Regierung zu einem Ort von besonderer kultureller Bedeutung erklärt.

Diese grandiose Aussicht hat man aber auch außerhalb des Restaurants, wenn man an dem Gebäude vorbei und bis zur Abbruchkante nach vorne geht. Hier habe ich mich von anderen Besuchern fotografieren lassen:

  

Besonders schön anzusehen sind auch die Roques de Salmor, bizarre Felsen, die vor der Steilküste aus dem Wasser ragen.

Nach dieser kleinen kulinarischen Stärkung war ich fit für eine Wanderung zum „Àrbol Garoé“

 

  

Der Garoé war der heilige Baum (Arbol Santo) der Ureinwohner, die man  Bimbaches nennt. Das Wappen El Hierros zeigt ihn als Baum mit Wolken in seiner Krone.

Durch seine hohe Lage in den Bergen, dem Nordost-Passat ausgesetzt, kondensiert der Garoé ständig Luftfeuchtigkeit aus den tief hängenden Wolken an den Blättern und Zweigen, wie es viele andere Bäume der Insel auch tun (Nebelkondensation).

Leider ist das zuvor gesagte die Theorie. Denn der letzte Regen und nennenswerte Passatwolken b es nur ganz wenig im letzten Dezember, davor viele Monate nicht mehr. Also war der Baum heute total trocken… leider.  

Der Ur-Baum soll sehr hoch und seine dicht belaubte Krone sehr groß gewesen sein. Er hat den Ureinwohnern das Überleben gesichert, da er wohl selbst in Dürrezeiten noch Wasser liefern konnte. Er soll sogar sehr viele Liter Wasser pro Tag abgeregnet haben. Aus Überlieferungen geht hervor, dass er in einem selbst erschaffenen Tümpel stand. Zu dieser Zeit konnte die ganze Insel mit Wasser, das in Bäumen kondensierte, versorgt werden. Aber das ist lange her…

Trotzdem war es eine schöne Wanderung von fast 3 Stunden. Die Landschaft ist hier  wunderschön und die Gegend das Hauptgebiet für die Viehzucht. 

Danach war der Durst groß und ich hielt an der Bar „Café Goyo“ in San Andres an. Zu meiner großen Freude wurden kanarische Lieder auf Gitarre und Akkordeon mit lautstarkem Gesang gespielt. Es war insgesamt eine 6-köpfige Männertruppe aus Gran Canaria, die für 4 Tage El Hierro besuchen im nahe gelegenen Parador übernachten. Eine von denen war Gerhard aus Sindelfingen, der seit 20 Jahren auf Gran Canaria überwintert und damals Chef der Entwicklungsabteilung „beim Daimler“ war.

Also, es war ein toller Tag, fast 160 km gefahren, viel erlebt und nette Leute kennen gelernt.   

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