El Paso/Texas

Wir sind nun in El Paso und besuchen Carmen und J.R., die wir im Dezember 2012 in Florida kennen gelernt haben. Darüber hinaus haben wir uns hier in El Paso bei der Registrierungsbehörde angemeldet, da wir am Programm „Global Entry“ teilnehmen. Heute soll das Abschlussgespräch stattfinden. Aber dazu später mehr.

El Paso ist Handels-, Universitäts- und Garnisonsstadt im äußersten Westen von Texas an der Grenze zum Bundesstaat New Mexico und Mexiko hat rund 700.000 Einwohner. Damit ist El Paso die sechstgrößte Stadt in Texas. Bis nach Houston sind es 900 km und nach Dallas 1.150 km.  El Paso wächst nach wie vor sehr stark. Es gibt große Arbeitgeber in der Stadt und in der näheren Umgebung: Raffinerien, Kunststofferzeugung, Textil-, Rüstungs- und Elektronikindustrie sowie die Landwirtschaft.

Vor allem durch den Ausbau des Militärstützpunktes „Fort Bliss“ entstehen viele neue Arbeitsplätze. Fort Bliss ist mit seiner Militärschule und dem dazugehörigen Truppenübungsplatz mit einer Größe von 440.000 ha das größte Luftverteidigungszentrum der Welt. Das Kasernengelände hat die Größe einer Kleinstadt. Es sind hier etwa 25.000 Soldaten der US-Army stationiert. Und wenn man dann noch die Familienangehörigen dazu rechnet, dann kommt eine Menge zusammen.

Auch deutsche Soldaten sind in Fort Bliss anzutreffen. Hier wird die Ausbildung deutscher Soldaten am Flugabwehrraketensystem (Patriot) durchgeführt. Die deutsche „Truppenstärke“ (Stammsoldaten und Lehrgangsteilnehmer) beträgt etwa 600 Mann.

Fast 75 % der Einwohner sind Hispanics, also Menschen spanischer oder südamerikanischer Herkunft, vor allem aber aus Mexiko. Wer hier einen Job haben will, muss zwingend 2 Sprachen sprechen: Spanisch und Englisch. Bei 75 % Hispanics hat Spanisch klar die Überhand.

Der Rio Grande umfließt El Paso aus Nordwest kommend und bildet hier und im weiteren Verlauf die Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko. Gegenüber von El Paso, also auf des Flusses „Rio Grande“, liegt die mexikanische Stadt Ciudad Juárez.

Diese Stadt hält eine Spitzenposition in der Verbrechensstatistik. Unter allen mexikanischen Städten ist sie von dem seit 2007 tobenden Drogenkrieg in Mexiko am meisten betroffen. In der Stadt kämpfen das Sinaloa-Kartell und das Juárez-Kartell um die Vorherrschaft. Im Jahr 2008 wurden etwa 1.600 Menschen ermordet, 2009 waren es 2.657 und 2010 gab es 3.111, 2012 noch 749 Opfer. Pro Tag werden durchschnittlich sechs bis sieben Menschen ermordet. 

Ganz friedlich ging es aber im Restaurant „L & J Cafe“ zu. Carmen und J.R. behaupten, es ist das beste mexikanische Restaurant nicht nur von El Paso, sondern überhaupt. Es wird hier so gekocht, wie es in Mexiko üblich ist und kein touristischer „Einheitsbrei“…

Das Restaurant hat eine lange Tradition und wurde vor 1930 bereits gegründet.  Wir mussten ca. 25 Minuten warten, da der Andrang entsprechend groß war. Im vorderen Bereich gibt es eine Bar, die gegen 19 Uhr „rappelvoll“ war. Die Geräuschpegel war so hoch, dass man sein eigenes Wort nicht verstehen konnte. Der Restaurantbereich liegt im hinteren Teil und dort geht es – gottlob – ruhiger zu. Die Preise für die Hauptgerichte lagen im Schnitt bei 10 US$ = 7,20 EUR.  Wir haben aufgrund der Empfehlung von Carmen und J.R. Gerichte kennen gelernt, die wir bisher noch gar nicht kannten und waren voll zufrieden.

Danach sind wir zum Franklin Mountain View gefahren. Dort hat man – besonders an Abend – einen herrlichen Blick auf El Paso und Ciudad Juárez.

Heute, am Freitagmorgen, haben wir uns bereits um 7 Uhr in einem – man glaubt es kaum – mexikanischen Restaurant zum Frühstück getroffen. Schon seit rund 25 Jahren trifft sich J.R. jeden Freitagmorgen mit ehemaligen Kollegen. Wir durften mitkommen, die früheren Kollegen kennen lernen, und wieder ganz neue Dinge erfahren.

So ist zum Beispiel der „Ballon“, den wir auf der Reise vom Big Bend nach Fabens etwa in Höhe der Stadt Marfa fotografiert haben, kein Wetter-Ballon – wie wir zuerst dachten. Es handelt sich um einen Ballon, der Flugobjekte aufspüren kann, die so tief fliegen, dass sie vom normalen Radar nicht erfasst  werden. Wenn also mexikanische Drogenkuriere versuchen sollten, mit kleinen Flugzeugen die Grenze zu überwinden, dann haben sie keine Chance. Die Geräte in diesem Ballon arbeiten so genau, dass sie auch Personen entdecken können.

Hier noch einmal ein Foto von diesem Ballon:

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Am Abend waren wir dann bei Carmen und J.R. zu Hause zum Abendessen eingeladen. Zuvor hat uns J.R. „vollgestopft“ mit Informationen über Campgrounds, Restaurants und Sehenswürdigkeiten, die wir auf unserer Reiseroute verwenden können.  J.R. hat im Laufe seines Camper-Lebens so viele Informationen gesammelt und penibel genau archiviert, so dass er aus meiner Sicht sofort einen Reiseführer für Camper schreiben könnte…

Natürlich haben wir aufgrund der hohen Kriminalitätsrate im mexikanischen Nachbarort Ciudad Juárez gefragt, wie sicher man in El Paso leben kann. Carmen und J.R. leben seit 27 Jahren in El Paso und fühlen sich total sicher. Nie hat es Probleme gegeben. Aber seit 5 Jahren besuchen sie nicht mehr ihre Freunde in Ciudad Juárez, weil es dort einfach zu gefährlich ist. Wenn sie jetzt nach Mexiko fahren, dann benutzen sie einen Grenzübergang, der 20 Meilen entfernt liegt und  wo es in Bezug auf Sicherheit keine Probleme gibt.

J.R., der im früheren Berufsleben 2 High Schools geleitet hat, ist ein begnadeter Handwerker. Er hat fast alle Möbel selbst angefertigt und einen Toyota Land Cruiser wieder „aufgemöbelt“. Das Auto ist von etwa 1975, hat einen 310 PS-starken Chevi-Motor und wurde in der ursprünglichen Farbe lackiert.

Am Nachmittag entdeckten wir noch einen riesengroßen Friedhof, den Monument Carmel Cementary. Dort gibt es tausende Gräber, alle mit Plastik-Blumen geschmückt. Wir vermuten, dass es sich um Urnen-Bestattungen handelt, denn die Grabsteine liegen dicht beieinander.

 

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