Fredericksburg/Texas

Alle Texaner, die wir in den letzen Wochen auf Fredericksburg angesprochen haben,  bekamen sofort ein verträumtes Lächeln ins Gesicht sagten uns sofort: beautyful. Dabei ziehen sie die erste Silbe so lang, dass es sich ungefähr so anhört: Bijuuuuuuuuuutifuuul…  und sie sagen: da müsst ihr unbedingt hin, das müsst ihr sehen.

Also waren wir heute dort. Und es war tatsächlich: Bijuuuuuuuuuutifuuul…

Die Mainstreet ist wohl aus Touristensicht die wichtigste Straße. Viele kleine Läden, natürlich auch viele Souvenirläden, aber auch viele Geschäfte, die mal etwas anderes anbieten, als das, was typischerweise in den großen Shopping-Malls angeboten wird. Wenn man dort am 17. „Victorias Secret“ oder am 25. „GAP-Store“ vorbeigeht, dann wird es für mich schon langsam uninteressant. Aber hier in Fredericksburg sieht man auch mal etwa anderes. Zum Beispiel ein „Alles-für-die-Küche“-Geschäft, der „Küchen Laden“. Oder ein Geschäft, das tausende von Soßen, Dips, Senf, Marmeladen, eingelegte Gurken oder Ockras und vieles mehr anbietet. Aber auch „Fudge“, also ein Karamell-Konfekt in verschiedenen Variationen. Selbstverständlich alles kalorienfrei (hahaha). Und alles, wirklich alles zum probieren. Kostenlos.

Aber nicht nur in „Downtown“ findet man viele schöne Häuser, auch in der gesamten Umgebung. Und weiter ist interessant: 40% der gesamten Pfirsichernte der USA stammt aus der Gegend um Fredericksburg. Eigentlich ist um diese Zeit die Pfirsichblüte überall in voller Pracht zu sehen. Aber der diesjährige lange und kalte Winter läßt die Natur 3 bis 4 Wochen länger in seinem Winterschlaf. Also leider nix mit Blütenpracht…. 🙂

In Fredericksburg sieht man viele deutsche Namen, Straßenschilder, Restaurantnamen (Der Lindenbaum). Und das hat seinen Grund. Hier etwas zur Geschichte von Fredericksburg:

Fredericksburg (auf deutsch: Friedrichsburg) wurde 1846 von den aus Dillenburg (Lahn-Dill-Kreis) stammenden Otfried Hans Freiherr von Meusebach gegründet und zu Ehren des Prinzen Friedrich von Preußen benannt. Meusebach war neuer Generalkommissar des „Vereins zum Schutze deutscher Einwanderer in Texas“. Meusebach verzichtete auf seinen Adelstitel und wurde in Texas schlicht als John O. Meusebach bekannt. Die Stadt wurde in den nächsten Jahren von größtenteils liberalen und gebildeten Deutschen aus dem Westerwald besiedelt, die vor der Unterdrückung in Deutschland vor und nach der 1848er-Revolution und den Folgen der Industriellen Revolution flohen. Der erste Siedler-Treck von 120 Personen erreichte Fredericksburg nach 16-tägiger Reise am 8. Mai 1846.

Die deutschen Bürger von Fredericksburg haben den einzigen bis heute gehaltenen und nie gebrochenen Vertrag mit Indianern vom Stamm der Comanchen dieser Gegend geschlossen. Seit dem Founder’s Day im Mai 1996, wurde am 2. Wochenende im Mai die Unterzeichnung des Friedensvertrags am 9. Mai 1847 zwischen den Nachkommen der deutschen Siedler und den Comanchen mit einem Powwow gefeiert. Ein Powwow ist ein Treffen nordamerikanischer Indianer, um gemeinsam zu tanzen, zu singen, Kontakte zu knüpfen und die indianischen Kulturen zu ehren

Anders als der Staat Texas lehnten die Deutschen das Halten von Sklaven ab. Deshalb weigerten sich viele Einwohner, während des Sezessionskrieges in der Armee der Südstaaten zu dienen. Sie mussten sich im Umland verstecken oder ins neutrale Mexiko fliehen. Die texanischen Behörden (Texasranger) jagten sie, sperrten sie in Gefängnisse oder töteten sie auf der Flucht.

Fredericksburg ist auch der Geburtsort von Chester W. Nimitz, der – später zum Admiral befördert –  als Kommandant eine Rolle im Zweiten Weltkrieg/Pazifikraum spielte. Das Hotel, das seinem deutschen Großvater gehörte, wurde in das National Museum of the Pacific War umgebaut. Nach ihm wurden auch die modernen Flugzeugträger benannt.

Die Einwohner der Stadt sind bemerkenswert stolz auf ihre deutsche Abstammung. Viele Straßen, Restaurants, Hotels und Geschäfte haben deutsche Namen und bieten typisch deutsches Essen an, alljährlich wird das Oktoberfest gefeiert. Die dort noch lebenden Deutschamerikaner sprechen teilweise Texasdeutsch.

Übrigens: auf Wunsch vom Ludwig haben wir heute viele Fotos eingestellt 🙂

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