Grand Canyon / Arizona (Teil 1)

Davon haben wir an unserem Hochzeitstag nicht geträumt, dass wir genau 22 Jahre später in Arizona/USA am Grand Canyon stehen und vor Staunen den Mund nicht zu bekommen… 🙂

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Uns fallen nur die Worte ein: gewaltig, unglaublich, unbeschreiblich – für die Vielzahl der Farben, der Gesteins-Schichten und vor allem für die überwältigenden Ausblicke in die Tiefe und in die Weite… Steht man am Rand des Canyons und sieht die riesigen Weiten, dann kommt man sich selbst wie eine kleine Ameise vor.

Mit einer Breite von 16 Kilometern, einer Gesamtlänge von fast 450 Kilometern und einer durchschnittlichen Tiefe von 1.800 Metern ist der Grand Canyon die längste und tiefste Schlucht der Erde. Baumeister dieses Naturwunders ist der Colorado, der in den letzten 6 Millionen Jahren als reißender Strom jeden Tag 500.000 Tonnen Sand und Steine mit sich riss. Diese gewaltigen Erd-, Geröll- und Wassermassen gruben sich Jahr für Jahr 16 bis 17 Zentimeter tiefer in das Plateau, so dass heute über 2 Milliarden Jahre der Erdgeschichte vor dem Auge des Betrachters liegen.

Die meisten Besucher findet man im Ort Grand Canyon Village, am südlichen Rand des Grand Canyon. Der Ort liegt auf ca. 2.000 Meter, hat 1.500 Einwohner und ist das touristische Zentrum des Nationalparks.

Hier im Grand Canyon Village kann man viele Kilometer direkt an der South-Rim, also der südlichen Kante des Grand Canyon, entlang gehen. Sehr oft ist man nur wenige Zentimeter vom Abgrund entfernt, der 1.200 oder 1.400 Meter tief ist. Man wird an verschiedenen Aussichts-Punkten durch ein Geländer geschützt. An vielen anderen Stellen gibt es keine Geländer und da heißt es: Abstand halten… Ein Ranger sagte uns, dass im Schnitt jedes Jahr rund 5 Mio. Besucher zum Grand Canyon kommen, und nur 2 bis 6 pro Jahr abstürzen – freiwillig sowie unfreiwillig – und den Absturz nicht überleben. Setzt man nun die 2 bis 6 Besucher in Relation zu den 5 Millionen, dann ist das eine zu vernachlässigende Größe 🙂

Die verschiedenen Granitsteine – die ältesten rund 1 Milliarde Jahre alt – werden auch eindrucksvoll präsentiert: Auf dem Trail of Time werden die Steine am Wegrand ausgestellt, zum Teil im Ganzen, zum Teil wurden sie aber auch durchgesägt, damit man die innere Struktur besser sehen fühlen kann, Berühren ausdrücklich erlaubt.

In diesem Nationalpark ist – wie so oft – alles perfekt organisiert. Es gibt etliche Souvenier-Läden, Restaurants, mindestens zwei Supermärkte, und vieles mehr, wo man sein Geld ausgeben kann. Es stehen auch viele Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung: Hotels, Ferienwohnungen, kleine Ferienhäuser und natürlich verschiedene Campgrounds. Irgendwo stand geschrieben, dass der gesamte Überschuss dem Ausbau und der Erhaltung des Nationalparks zu Gute kommt. Wir wollen es dann mal glauben….

Bereits vor dem Nationalpark befinden sich McDonalds, Pizza-Hut und andere Läden. Dort ist auch ein iMax-Kino, wo wir uns zunächst einen Film über den Grand Canyon angesehen haben. Der ist zur Einstimmung sehr zu empfehlen.

Die Ranger sind fast überall präsent im Nationalpark. Sie geben gerne Auskunft und helfen bei der Wegsuche. An festen Terminen sprechen die Ranger über ganz bestimmte und interessante Themen. Zum Beispiel über die Tierwelt, die Pflanzen oder – in einer Abendvorstellung – die Sterne über dem Grand Canyon. Oder sie führen die Besucher auf Touren rund durch den Nationalpark.

Es gibt drei verschiedene (kostenlose) Buslinien, die vom östlichen Yaki-Point bis zum westlichen Hermits-Rest alles abdecken. Man kann an den Haltestellen so oft ein- und aussteigen, wie man will.Auch unser Campground wird von einem Bus angefahren. Es ist der Campground (CG) Trailer Village, ein privater CG, auf dem auch sehr große Wohnmobile abgestellt werden können. Der CG bietet Full-Hook-Up, aber kein Internet, und kostet 35 US$ (25,30 EUR) pro Nacht. Der Andrang ist groß und Uschi hatte bei der Buchung Glück, dass sie noch einen freien Stellplatz für 3 Nächte buchen konnte. Es gibt auch andere CG, die aber entweder nur für Fahrzeuge bis 30 Fuß (= ca. 9 Meter) ausgelegt sind, oder weder Strom noch Wasser noch Abwasser bieten. Vor dem Supermarkt an der Haltestelle Market Plaza gibt es jedoch einen kostenlosen Internetzugang.

Im Nationalpark und auch hier auf dem CG sieht man sowohl Rehe als auch Elch-Kühe, die in aller Ruhe grasen und sich gar nicht stören lassen.

Der amerikanische Präsident Theodore Roosevelt war damals schon der – aus unserer Sicht absolut richtigen – Auffassung, dass jeder Amerikaner mindestens einmal in seinem Leben den Grand Canyon besuchen sollte. Aber scheinbar sind Japaner und Chinesen (wir können sie nicht unterscheiden) der Meinung, dass Roosevelt sie auch gemeint hat. Jedenfalls fallen sie hier in Scharen ein. Auf den Parkplätzen stehen unzählige Busse. Wir wir aus einem Zeitungsartikel erfuhren, beträgt die durchschnittliche Verweildauer der Besucher 3,5 Stunden. Und das sieht so aus: raus aus dem Bus, hin zum Haupt-Aussichtspunkt (Mather-Point), Fotoapparate raus, dann vielleicht noch 200 Meter links und 200 Meter rechts vom Mather-Point spaziert, zum Schluss noch rein in Souvenier-Laden, schnell etwas gekauft und dann wieder rein in den Bus und ab geht´s.

Wenn man die 200 Meter rechts und links vom Mather-Point überwunden hat, wird es deutlich ruhiger. Der Touristen-Strom lässt merklich nach…

Am Abend gab es dann noch eine freudige Überraschung: Billie und Wolfgang standen plötzlich vor unserer Tür. Leider haben die beiden keinen freien Stellplatz in Grand Canyon Village bekommen, so dass sie nach wenigen Stunden wieder die Reise zu ihrem Wohnmobil in Williams antreten mussten. Aber wir konnten die paar Stunden mit Quatschen verbringen und uns gegenseitig über Strecken und Campgrounds updaten.

Wir haben an drei Tagen rund 500 Fotos gemacht. Die wollen wir hier nicht alle zeigen und müssen daher in Ruhe eine Auswahl treffen. Weil aber der Internet, dort wo wir zur Zeit sind, so langsam ist, gibt es in den nächsten Tagen weitere Fotos auf dieser Seite.

Die Stecke von Willams nach Grand Canyon Village betrug 100 km:


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