Nun sind wir in England



 

Am Morgen haben wir um 10 Uhr die Fähre genommen, um nach Dover zu fahren. Das Einchecken verlief sehr organisiert. Ganz intensiv wurde der Ausweis von unserem Hund Chico geprüft. Darüber hinaus wurde der Chip ausgelesen und mit den Angaben im Hunde-Ausweis verglichen. Ausserdem wurde geprüft, ob eine Wurmkur innerhalb der letzen 5 Tage verabreicht wurde, was der Fall war.

Insgesamt mussten wir 4 Kontrollstationen durchlaufen. An 2 Stationen betrat jeweils ein Mitarbeiter unser Wohnmobil und kontrollierte das Bad, ob sich dort vielleicht weitere Personen befinden. Der Stauraum wurde nicht kontrolliert! An einer Station waren 3 Polizisten jeweils mit einer Maschinenpistole ausgestattet. Der Anblick gibt kein gutes Gefühl.

So eine Fähre verschlingt in ihrem Bauch eine Menge Fahrzeuge. Gezählt habe ich mehr als 100 LKW, ebenso viele PKW, dann noch 4 Wohnmobile und 2 Motorräder. Die Kennzeichen der LKW waren ganz überwiegend aus Osteuropa: Litauen, Polen, Tschechei. Alle zwei Stunden fährt von Dünkirchen eine Fähre nach Dover. Die Fähren sind fast immer ausgebucht. Da kommt eine Menge zusammen… Als ich sah, wie die Fahrzeuge auf das Boot fuhren, dachte ich: was macht demnächst der Brexit mit diesen Menschen, die als LKW-Fahrer tagelang unterwegs sind? Wird es auch in Zukunft einen derartigen Warenaustausch geben?

Nach 2 Stunden erreichten wir Dover. Schon von Ferne konnten wir die weisse Steilküste sehen.

Als wir von Bord fuhren und wieder festen Boden unter den Reifen hatten, erlebten wir einen Schock: uns kamen hunderte Geisterfahrer entgegen 🙂 Na ja, wir haben uns sofort an den Linksverkehr gewöhnt und bislang keine Probleme gehabt.

Als erste Station haben wir Kreidefelsen White Cliffs of Dover besucht. Im Visitor-Center sind wir zunächst Mitglied vom National Trust geworden. Der National Trust ist eine Organisation, der in Großbritannien über 500 Sehenswürdigkeiten verwaltet. Dies können zum Beispiel historische Schlösser, Burgen oder Gärten sein. Die Mitgliedschaft kostet für 2 Personen 108 GBP (rund 120 EUR) pro Jahr. Das hört sich im ersten Moment sehr viel an, aber als Mitglied kann man alle Objekte und auch die Parkplätze kostenlos besuchen. Bei vielen sagar übernachten.

An den Kreidefelsen gibt es viele Wanderwege. Nach 3 km erreicht man den Leuchtturm, in dem sich ein Café befindet. Als wir los gewandert sind, haben wir zunächst unsere Regenjacken heraus geholt, weil sich die ersten Regentropfen bemerkbar machten. Es blieb dann bei den wenigen Tropfen, aber der Wind war an der Küste war schon heftig.

Danach haben wir Deal Castle besucht. Diese Anlage ist tatsächlich aus der Zeit Heinrichs VIII und damit aus dem 16. Jahrhundert. Sie gehört zu einer ganzen Kette an Verteidigungsbollwerken, die damals die englische Südküste schützen. Das Gebäude wurde recht flach gebaut, um Angreifern nur wenige Möglichkeiten zu geben, mit ihren Kanonen das Haus zu beschädigen. Geht man durch die Anlage und ins innere des Gebäudes, so ist man erstaunt über die tatsächliche Größe.

Im Ort Deal haben wir uns zuerst über die englische Nationalspeise her gemacht: Fish and Chips. Die Portion war riesig, der Fisch lecker, die Kartoffel von Hand gemacht. Und preiswert: 6 GBP.

Übrigens: zur Zeit kann man überschlägig das Britische Pfund (GBP) in Euro umrechnen, in dem man zum GBP 10% aufschlägt.

Nach der Stärkung ging es weiter nach Canterbury. Canterbury ist für seine Kirchen, seine große Kathedrale und als Sitz des Bischofs bekannt. Die Innenstadt bewahrte sich ihren mittelalterlichen Charakter und gehört – so die Engländer – zu den schönsten Städten im Land. Und tatsächlich: wir fanden die Innenstadt wirklich sehr beeindruckend. Neben Kirche und Kultur sorgen 12.000 Studenten der Universität für eine abwechslungsreiche Lebendigkeit. Insgesamt kommt Canterbury auf 55.000 Einwohner.

Am Abend haben wir eine Farm aufgesucht, auf der man mit seinem Wohnmobil übernachten darf. Im Katalog des Caravan and Motorhome Clubs sind rund 2.700 Stellplätze für Wohnmobile aufgeführt. Dies sind Certificated Locations, kurz CL genannt, die alle vom Club überprüft wurden und ganz bestimmte Mindestanforderungen vorweisen müssen, z. B. Stromanschluss, Wasseranschluss, Toiletten. Als Mitglied zahlt man zwischen 12 und 16 GBP pro Nacht, je nach Saison. Wir haben 16 GBP bezahlt, weil Hochsaison ist.

Die Farm Barfreston Court Farm liegt „in the middle of nowhere“. Der Weg hierhin war schon ein Abenteuer für sich. Ganz enge Straßen, teilweise fuhren wir wie durch Tunnel, weil die Bäume und Sträucher rechts und links der Straße halbrund zusammen gewachsen sind. Hier gibt es weder W-Lan noch Telefon. Dafür Ruhe und Natur 🙂

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