Prejmer – Tartlau

Mitte des 12. Jahrhundert wurden vom ungarischen König deutsche Siedler ins Land geholt, aus denen dann die „Siebenbürger Sachsen“ entstanden. Die Bezeichnung bezieht sich nicht auf die tatsächliche Herkunft der Siedler, sondern darauf, dass diese Siedler von den Ungarn als „Saxones“ bezeichnet wurden. Tatsächlich stammten die Siedler aus dem Mittelrhein, aus dem Moselgebiet und aus Flandern.

Nur ca. 7 km vom Stellplatz in Carpinis entfernt liegt der Ort Prejmer. Er hat ewa 8.500 Einwohner und eine besondere Sehenswürdigkeit. Die sehr gut restaurierte Kirchenburg wurde von der UNESCO 1998 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

In Rumänien wurden 300 solcher Kirchenburgen errichtet. Erst in der 2. Hälfte des 18. Jh., als die Türkengefahr vorüber war, verloren sie ihre Funktion. Rund 140 dieser außergewöhnlichen Bauwerke sind bis heute erhalten geblieben. Folgende zählen heute zum UNESCO-Weltkulturerbe: Prejmer (Tartlau), Biertan (Birthälm), Viscri (Deutsch-Weißkirch), Saschiz (Keisd), Valea Viilor (Wurmloch) sowie die Adelsburg von Câlnic (Kelling).

Die Burg in Prejmer soll eine der schönsten in Siebenbürgen – wenn nicht sogar die schönste sein.  Es gibt 272 Wohn- und Vorratsräume, die nur von der Innenseite der Burg begehbar sind und sich in der mächtigen Schutzmauer befinden. Den Innenhof mit Bäumen, Blumen und Rasen umschließt eben diese wuchtige Mauer, an deren Innenseite Holztreppen und -galerien zu den dunklen kleinen Kammern führen. In der Mitte steht die weiße Kirche.

Die Kirchenburg diente auch als Filmkulisse: Szenen des englischen Films Papst Johanna (1972) mit Liv Ullmann in der Hauptrolle der „Päpstin“ wurden hier gedreht.

 
Eine besondere Methode der Paar-Therapie haben sich die Siebenbürger Sachsen ausgedacht: Eine der oben beschriebenen Wohnkammern diente der Legende nach als „Ehe-Kammer“: Paare, bei denen es kriselte, sperrte man tagelang in die enge Kammer, bis sie sich wieder vertrugen. Sie mussten aus einem Becher trinken, von einem Tellerchen essen und in einem engen Bett zusammen schlafen. Angeblich empfanden die meisten Paare den beengten Raum nicht als Folter-, sondern als Versöhnungskammer …
 
Oberhalb dieser wabenförmig angelegten Kammern befindet sich der Wehrgang mit Schießscharten. Schließlich musste man sich verteidigen, in der Regel gegen die Türken. Eine Besonderheit in dieser Wehranlage ist die sogenannte Todesorgel. Diese ist ein dickes Brett, das sich um eine eiserne Achse drehen lässt und beidseitig mit je fünf Vorderlader-Schießrohren belegt war. Während die eine Serie abgefeuert wurde, konnte die andere geladen werden und nach raschem Umdrehen wiederholt abgefeuert werden. Geht man einmal rund, hat man 800 m geschafft.
 
 
Weiter ging es nur einige Kilometer nach Harman – zu Deutsch Honigberg. Auch dort wurde im frühen 13. Jahrhundert eine Kirchenburg erbaut.  Die KIrchenhofmauer ist 10 bis 12 m hoch und konnte 800 Menschen Schutz bieten.
 
Im Turm – auch Fleischerturm genannt – sieht man die Feuerglocke, 1608 gegossen, ist sie heute die älteste Glocke in der Gegend. Und sie erklingt immer noch zu jeder vollen Stunde.
 
Im Kapellenturm gibt es einen Raum mit zahlreichen Wandmalereien, leider nicht mehr gut erhalten. Restauratoren haben festgestellt, dass mehrere Schichten den Raum komplett auskleiden.
 
In der Kirche wurden im Jahre 1595 besondere Bänke für die Frauen installiert, und zwar ohne Rückenlehne. Nicht weil man sparen wollte, sondern weil man die kostbaren Trachten der Frauen mit den seidenen, bestickten Bändern am Rücken schonen wollte.
 
Das war meine heutige Radtour:
 

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2 Kommentare

  1. Danke, Regen können wir in Rumänien gebrauchen. Aber auch in Griechenland und in der Türkei, wie ich im TV gesehen habe…euch eine gute Fahrt durch das Altmühltal.

  2. Wie immer sehr informativ und interessant.
    Grüße aus dem verregneten Altmühltal.

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