Quinceañera in Colorado

In den USA leben viele Millionen sog. Mexikanische Amerikaner. Neue Schätzungen gehen von 35 Millionen aus. Nicht alle leben legal hier. Die Geschichte der Mexican Americans umfasst mehr als 400 Jahre und unterscheidet sich innerhalb der Vereinigten Staaten von Region zu Region. Mexican Americans waren ursprünglich in den Bundesstaaten konzentriert, die früher zu Mexiko gehört hatten, vor allem Kalifornien, Arizona, New Mexico, Colorado und Texas.

Uns ist aufgefallen, dass hier in Colorado viele Mexican Americans leben. Die Amerikanische Wirtschaft benötigt Arbeitskräfte, und die Mexikaner sind fleißige und gleichzeitig billige Arbeitskräfte.

Neben dem Stellplatz, wo wir zur Zeit stehen, befindet sich ein „Vereinsheim“ wo Nachbarn zusammenkommen, sich Familien zum Essen treffen, Kinder betreut werden, usw.

Wir staunten nicht schlecht, als man vorgestern anfing, den großen Saal zu schmücken und für eine Feier mit über 400 Personen vorzubereiten. Tische wurden zu langen Reihen zusammen gerückt, weisse Tischdecken aufgelegt und üppiger Blumenschmuck hingestellt. Eine Bühne wurde aufgebaut, damit eine Band genügend Platz hat, Musikinstrumente aufzustellen. Die Wände wurden mit Vorhängen abgedeckt. Die Farben von rosa bis lila überwiegten.

Was für eine Feier, fragen wir? Eine Hochzeit, vielleicht die vom Gouverneur von Colorado? Nein, keine Hochzeit, sagte uns die freundliche Köchin, es ist eine viel aufwändigere Feier als eine Hochzeit: ein mexikanisches Mädchen wird 15 Jahre jung…

Und tatsächlich: man nennt es Quinceañera, wenn der Geburtstag eines 15 jährigen Mädchens in Mexiko gefeiert wird. Auch in anderen südamerikanischen Ländern kennt man diesen Brauch.

Also habe ich mich gegen 21 Uhr in den Ballsaal geschmuggelt und sah um mich herum nur freundliche, mexikanische Gesichter. Um nicht allzusehr aufzufallen, habe ich Fotos ohne Blitzlicht gemacht. Das Geburtstagskind ließ sich gerne fotografieren:

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Und hier sieht man den Bruder, der sich – während seine Schwester tanzte – mal auf den Stuhl seiner Schwester setzen durfte:

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Viele Kinder tanzten herum oder spielten mit ihren Freunden. Die Frauen waren überwiegend elegant angezogen. Die Mutter dufte den Kuchen anschneiden und verteilen, was für über 400 Gäste eine zeitraubende Angelegenheit ist

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und deshalb durfte auch die Tante mithelfen, Kuchen auszugeben

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Die Männer trugen Jeanshosen und bunte Hemden, dazu der typische Hut, den Mexikaner tragen

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Ob das Geburtstagskind wirklich alle Gäste kennt, bleibt offen. Es wurde jedenfalls lautstark und fröhlich gefeiert und die Familien kamen sich wieder einmal näher

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Als dann die Musik erneut einsetzte, habe ich mich zurück gezogen, denn die Bässe drangen unangenehm vibrierend durch meinen Körper und die Musik entsprach nicht ganz meinem Geschmack

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Der Brauch sichert in Südamerika Millionen an Jobs und Milliarden an Umsatz. Eine ganze Feier-Industrie lebt davon: Ausstatter und Animateure, Dekorateure und DJs, Fotografen und Feuerwerker, Zuckerbäcker und Zeremonienmeister und natürlich jede Menge Köche und Kellner.

Ist denn eine solche Feier nur etwas für reiche Mexikaner? Durchaus nicht! Viele mexikanische Eltern verschulden sich so hoch, dass sie ein Leben lang an den Krediten zurück zahlen….

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