Schloss Bran

Gestern Abend bin ich noch bis Campulung (ca. 32.000 Einwohner) gefahren und habe dort auf dem Parkplatz vom Sportcenter übernachtet.

Dann ging es heute über die Landstraße E574 nach Bran. Kurz hinter dem Ortsausgangsschild änderte sich die Landschaft, die städtische Bebauung hörte abrupt auf, es ging wieder aufwärts, und ich fuhr durch eine grüne und sehr reizvolle Berglandschaft, vorbei an Feldern und durch Wäldern mit Dörfern am Wegesrand, so wie ich das schon einmal beschrieben habe.  Aber es gibt auch Bergdörfer etwas abgelegen von der Landstraße, in einer Höhenlage zwischen 800 und 1.350 m. 

Hier laufen noch vereinzelt Kühe über die Straße und Pferde grasen unbeaufsichtigt ganz ohne Leine und ohne Umzäunung am Straßenrand entlang. Manchmal sieht man eine Schafsherde und die wird bewacht von 4 oder 5 Hunden, die so aussehen, als wären sie zum Kuscheln nicht unbedingt geeignet 🙂

Was nicht schön ist: die E574 ist in einem schlechten Zustand. Zwar sieht man Bautrupps, die die Straße ausbessern oder im besten Fall mal ein paar Hundert Meter komplett neu asphaltieren, aber auf Schlaglöcher muss man höllisch aufpassen. So brauchte ich für knappe 90 km mehr als 3 Stunden. Das war die reine Fahrzeit, ohne Pause und ohne die Zeit, um Fotos zu machen.

Nun komme ich zu Bran. Warum wollte ich nach  Bran? Ganz einfach: weil es dort das Schloss Bran gibt, – auch Törzburg genannt – angeblich das schönste Schloss Rumäniens, und das muss man doch gesehen haben, oder? Jemand hat behauptet, es sei das „Neuschwanstein“ von Rumänien. Ok, lassen wir das man so stehen…

Schloss Bran wird immer wieder als das „Schloss Dracula“ bezeichnet. Der Mythos lebt: Dracula und die Törzburg, sie haben nichts gemein. Und doch sind sie auf ewig verbunden, denn manche Touristen-Legenden sind einfach zu schön, als dass sie die Wirklichkeit zerstören könnte … Aus den dichten Wäldern der Karpaten erhebt sich das sagenumwobene Schloss auf einem Felsen. Ein schönes Schloss. Aber eben kein Dracula-Schloss, denn ob das historische Vorbild für die Dracula-Geschichte jemals in diesen Mauern weilte, ist mehr als ungewiss.

Quelle: Von Dobre Cezar – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 ro, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21209779

Aber die rund 5.500 Einwohner pflegen das Dracula-Image und so sind unzählige Unterkünfte, Souvenirläden – die allen möglichen Krempel anbieten – und Imbissbuden entstanden. Es gibt sogar einen „Vampire-Camping“. Gruselig ist dabei nur der Vampir-Vermarktungs-Basar vor dem Schloss … Durch die Straßen und vor dem Schloss schoben sich bereits um 10 Uhr wahre Touristenmassen. Ich vergleiche das mal mit dem Oktoberfest in München zu Zeiten vor Corona. Lange Schlangen vor der Kasse, wo man die Tickets für die Schlossbesichtigung kaufen kann.

Nix für mich. Also bin ich dem Trubel entronnen und habe mir einen Stellplatz in unmittelbarer Nähe von Brasov gesucht. Der Stellplatz ist klein, max. für 4 Wohnmobile, aber ich bin alleine in dem Garten. Hier gibt es Wasser, Strom, eine Küche, WC und Dusche mit Warmwasser. Das Abwasser kann problemlos entsorgt werden. Nur Wlan fehlt 🙂 aber das konnte ich der Mutter des Eigentümers nicht fragen, denn sie spricht nur Rumänisch.

Bei dieser Gelegenheit fällt mir wieder auf: auch gestern auf 2.053 m Höhe, als ich auf „Bärensuche“ war, gab es ein perfekt funktionierendes Funknetz. Das Wort „Funkloch“ gibt es scheinbar nur im deutschen Wörterbuch. Auch vor zwei Jahren in Griechenland haben wir im entferntesten Dorf noch Wlan gehabt.

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