Shugborough und Quarry Bank

Zuerst besuchte ich heute Shugborough, ein wirklich riesiges Anwesen nördlich von Birmingham. Es ist eine „Working Farm“, also ein Farm, auf der aktiv Landwirtschaft betrieben wird. Mit allen Tieren, die man so auf einer Farm hat: Schafe, Kühe, Schwein, Hühner, mit Gemüsegarten, mit Obst, mit Blumen, usw.

Aber es ist viel mehr als nur eine Farm: es ist eine reiche Mischung aus Landschaft, Denkmälern, Gärten und Architektur, geprägt von Reisen und Abenteuern der Eigentümern.

Bis etwa 1640 lebten Mönche dort im Kloster. Danach ging das Anwesen in Privateigentum über und wurde kontinuierlich verändert. Als der 4. Earl 1960 verstarb, konnte der Erbe, Sohn Patrick Lichfield, die Erbschaftssteuer nicht aufbringen und Shugborough ging in den Besitz des National Trust über. Eigentlich heißt er Patrick Anson, aber als sein Vater starb und er der 5. Earl of Lichfield wurde, änderte er seinen Nachnamen. 

Patrick hat sein Leben mit der Fotografie verbracht. Zu seinen berühmtesten erotischen Bildern gehört ein Werbefoto für das Musical Hair, das die nackte Sängerin Marsha Hunt mit einer Afro-Look-Frisur zeigt.

Daneben machte er jedoch auch immer wieder offizielle Fotos der Königsfamilie, so zur Hochzeit des Prince of Wales mit Lady Diana Spencer im Jahre 1981 und zum goldenen Thronjubiläum von Königin Elisabeth im Jahre 2002. Hierdurch war er einer der bekanntesten Fotografen des Vereinigten Königreiches. Ab 1999 wurde er dann zu einem der Pioniere der Digitalfotografie auf der professionellen Ebene. Wegen seines lockeren Lebensstils und seiner Freundschaft mit zahlreichen Showgrößen war er ein Star der britischen Boulevardpresse.

Das Apartment vom Patrick ist öffentlich zugänglich. Dort kann man viele seiner Bilder sehen, sein Foto-Studio, seine Foto-Bücher und viele Original-Fotos von der Königlichen Familie. Alles total interessant. Leider war das Fotografieren verboten 🙁

 

Leute in meinem Alter erinnern sich bestimmt daran, wenn die Eltern von einer „Manchester-Hose“ sprachen…. Heute sagt man „Cord-Hose“ dazu. Die waren mal sehr modern und vor allen Dingen auch sehr robust. Genau diese Cord-Stoffe wurden bis Mitte der 50er in Quarry Bank hergestellt. Es ist also eine ehemalige Weberei. 

Quarry Bank ist eine der am besten erhaltenen Textilfabriken der industriellen Revolution und heute ein Museum der Baumwollindustrie. Die 1784 erbaute Mühle wird als denkmalgeschütztes Gebäude geführt.Alles funktioniert noch: die Wassermühle, die Dampferzeugung, die Spinnereimaschinen. Zu bestimmten Uhrzeiten gibt es Vorführungen, wie Stoffe damals gewebt wurden. 

Die industrielle Revolution im 19. Jahrhundert hatte auch ihre Schattenseiten: Kinderarbeit, Taubheit durch den Höllenlärm der Maschinen, erhöhtes Lungenkrebsrisiko durch das Einatmen der Baumwoll-Microfasern…Auf all das wird heute in interessanten Dokumentationen hingewiesen.

Total übersehen habe ich, dass Quarry Bank im Süden von Manchester liegt und gegen 16 Uhr der Berufsverkehr einsetzte. Um in den Norden zu kommen habe ich fast 1,5 Stunden gebraucht.

Was mir auffiel: in Manchester wird ganz kräftig gebaut:

Dieses Foto habe ich aus dem Auto aufgenommen. In diesem Stadtteil habe ich bestimmt 15 solcher Bauten gesehen, die sich alle noch in der Fertigstellung befinden. Sie haben zwischen 10 und 15 Etagen und sind vermutlich für Wohnzwecke gedacht. 

Insgesamt bin ich rund 195 km gefahren, davon etwa 30 km durch Manchester geirrt 🙁

 


 
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