Transfăgărășan (Transfogarascher Hochstraße)

Ich bin also heute – wie schon gestern angekündigt – vom Campingplatz „De oude Wilg“ wegen der vielen Fliegen geflüchtet. Ganz in der Nähe gibt es den Abzweig zur spektakulärsten rumänischen Straße: der Hochgebirgsstrecke Transfăgărășan, die das Făgăraș-Gebirge überquert und Siebenbürgen mit der Walachei verbindet.

Heribert, ein Wohnmobil-Kollege, der letzte Woche noch hier war und jetzt in Griechenland ist, legte mir eindringlich ans Herz: diese Straße MUSST du fahren…Seinem Rat – wofür ich sehr dankbar bin – bin ich heute gefolgt.

Bis zum höchsten Punkt – das ist der 2.042 m hohe Bâlea-Pass – ist die Straße sehr gut asphaltiert und die Strecke schlängelt sich kurvenreich durch die herrliche Berglandschaft und gewährt weite und wunderschöne Panoramablicke. Das Făgăraș-Gebirge wartet mit acht Gipfeln über 2000 m auf, der Moldoveanu (2544 m) ist der höchste.

Hat man den höchsten Punkt erreicht und fährt nun abwärts, ist die Straße nicht mehr ganz so gut. Aber bei einer Geschwindigkeit von 30 bis max. 40 km/h kann man dem einen oder anderen Schlagloch ausweichen. Aber insgesamt war es ok.

Die gesamte Strecke ist extrem lang. Unvorstellbar für Europa. Das kenne ich nur von USA. Von Cartisoara im Norden bis Arefu im Süden sind es 95 km. Auf dieser Strecke gibt es keine bewohnte Ortschaft, keine Straße die links oder rechts zu einem anderen Ort abzweigt, siehe Kartenausschnitt.

Unterwegs also pure Natur, Kurven über Kurven, und ganz tolle Ausblicke. Am Straßenrand gibt es einige Verkäufer von Souveniers bzw. Obst und Gemüse.

Dann plötzlich ein bislang noch nie gehörtes Piepsen an beiden Handys die ich mitführe. Eine weibliche Stimme, die eine Durchsage machte. Ich habe nichts verstanden. Dann mein Blick auf das Display und ich sah eine „Notfall-Information“. Die war dann auf Rumänisch, und über Google habe ich mir das übersetzen lassen:

Die Übersetzung ist zwar nicht perfekt, aber mir war klar: eine Bärenmutter ist mit ihren 2 Kindern unterwegs. Wie die Nachricht auf meine Handys gekommen ist, habe ich nicht verstanden. Scheinbar gibt es hier ein „Cell Broadcasting“, was man nun in Deutschland einführen möchte, um vor Überflutungen oder ähnlichen Katastrophen zu warnen.
Es dauerte dann nicht lange, da sah ich ihn: einen großen und trägen Bär rechts am Waldesrand an einem Parkplatz. Erst lag er da und dann stand er ganz gemütlich auf und watschelte etwas ziellos hin und her. Ich habe keine große Ahnung von Bären, aber für mich war der schon ziemlich groß. Klar, Fotos machen….Klick, klick, klick….
Ich setze meine Fahrt fort und dachte mir, dass der Bär vielleicht der Vater der kleinen „Hühner“ sei, jedenfalls war von den kleinen Bären nichts zu sehen.
Etwa 1 Kilometer weiter hielt ich an der nächsten Haltebucht an, weil dort ein Polizeifahrzeug stand. Ich zeigte den Polizisten meine Fotos, und sie lächelten nur milde und gaben durch Gesten zu erkennen, dass sie bereits informiert wurden.
Nach einem weiteren Kilometer an der nächsten Haltebucht hielt ich erneut an, um Uschi von der Begegnung zu erzählen. Und Mitten im Gespräch kamen aus dem Wald die Bärenmutter mit ihren 2 Kindern heraus. So ein Zufall: zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort.
Schnell wieder das Handy für Fotos und Videos gezückt und fotografiert. Die Bärenmutter kümmerte sich nicht um mich und um die anderen Zuschauer, die die Bären nun auch entdeckt hatten. Leider war zwischenzeitlich auch die Polizei von vorhin angekommen und verscheuchte die Bären und auch uns Zuschauer mit ihrer Sirene.

Die Strecke ist bei rumänischen Urlaubern sehr bekannt und sehr beliebt, jedenfalls sah ich ganz viele Menschen am Stausee, und nicht nur Menschen, sondern auch PKW, die wild geparkt wurden und die Durchfahrt zum Teil versperrten. Aber niemand regte sich auf, jeder hatte Verständnis, weil jeder Fotos machen wollte.
Und es gibt sie nach wie vor: Pferd und Wagen (oder besser: Anhänger) sieht man allerorts. Und man sieht, dass auch heute noch auf dem Feld mit der Sense gearbeitet wird.
Nächster Stop war die Stadt Curtea de Arges. Das historische Fürstenstädtchen ist berühmt für eine beeindruckende Klosterkirche mit opulentem Dekor, zugleich Grablege der rumänischen Könige. Damit zählt Curtea de Argeș zu den Hauptsehenswürdigkeiten in Rumänien, auch wenn das Stadtbild selbst verbesserungswürdig ist. Ich will ja nicht nur die schöne Seite zeigen, sondern auch Häuser wie dieses, das den Sozialismus nicht nur überstanden, sondern auch 30 Jahre danach nicht verändert wurde:
Vergessen zu erwähnen habe ich, dass auf dem Gelände nicht nur ein Kirche steht, sondern drei. Leider war in 2 Kirchen eine genaue Besichtigung nicht möglich, da Gerüste aufgebaut waren, weil die Wandmalereien an den Decken renoviert wurden. Durch die Stadt führt eine Allee, wenn man die Bürgersteige begradigen und den Hausfassaden etwas Farbe spendieren würde, wäre es eine Prachtstraße…
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4 Kommentare

  1. Hallo Brüderchen
    Da ihr ja so Tierlieb seid, bring trotzdem kein Bärenjunges mit.
    LG Erika

  2. ja, das ist richtig… aber es ist immer wieder etwas besonderes, so großen Raubtieren in der freien Natur zu begegnen….

  3. Hey…. aber Bärenalarm hatten wir doch auch schon mal in den USA

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